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Bremsbacken-Kleinteilesatz: Inhalt und richtige Auswahl

Ein Kleinteilesatz für Trommelbremsen erneuert Rückholfedern, Rollen, Buchsen und Sicherungsclips, die die Bewegung der S-Nocken-Bremsbacken steuern – er gehört bei jedem Belagwechsel auf die Teileliste.

Geprüft von VADEN Original 5 Min. LesezeitAktualisiert
Bremsbacken-Kleinteilesatz: Inhalt und richtige Auswahl

Was ein Bremsbacken-Kleinteilesatz eigentlich ist

Ein Bremsbacken-Kleinteilesatz ist ein Satz kleiner Verschleißteile, die ein Paar S-Nocken-Bremsbacken in Position halten und beim Lösen des Pedals zurückziehen: Rückholfeder, Nockenrollen mit Rollenhaltern, Ankerbolzenbuchsen, Sicherungsclips, Scheiben und Sicherungsringe. Er wird pro Radseite (oder pro Achse) passend zu Bremsengröße und Backenbauart verkauft und ist dafür vorgesehen, bei jedem Belagwechsel mit eingebaut zu werden. Werden alte Federn und verschlissene Rollen an neuen Belägen weiterverwendet, ist das ein häufiger Grund dafür, dass eine frisch erneuerte Bremse schleift, greift oder sich innerhalb weniger tausend Kilometer wieder verstellt.

Keines dieser Kleinteile überträgt selbst Bremsmoment, aber sie alle bestimmen, wie sauber sich die Bremsbacke bewegt. Fußbremsen schwerer Nutzfahrzeuge arbeiten pneumatisch, nicht hydraulisch: Luftdruck füllt den Bremszylinder, der Kolben bewegt den Gestängesteller, dieser dreht die S-Nockenwelle, und der Nockenkopf drückt die Backenrollen nach außen gegen die Trommel. Ein voll aufgeladenes System liegt typischerweise bei rund 8,3 bar (120 psi), der Regler schaltet meist im Bereich von 8,3–9,3 bar (120–135 psi) ab und bei etwa 6,9–7,6 bar (100–110 psi) wieder zu; die Niederdruckwarnung liegt bei rund 4,1 bar (60 psi). Jedes Schleifen, jedes Spiel und jede zu schwache Federspannung in dieser Kette zeigt sich als Bremsverzug, ungleichmäßigen Belagverschleiß von Seite zu Seite oder eine Backe, die sich beim Lösen nicht von der Trommel abhebt.

Was im Satz enthalten ist

Der Inhalt variiert je nach Hersteller und Bremsenbauart, ein typischer Nutzfahrzeug-Satz umfasst jedoch Folgendes:

Typischer Inhalt eines Bremsbacken-Kleinteilesatzes und Ausfallsymptome
BauteilFunktionErscheinungsbild bei Ausfall
Backen-RückholfederZieht beide Backen von der Trommel weg, sobald der Zylinderdruck sinktLangsames Lösen, heißlaufende Bremsen, glasierte oder blau angelaufene Beläge, höherer Kraftstoffverbrauch
NockenrollenRollen auf dem S-Nocken-Profil ab, damit sich die Backe gleichmäßig bewegtAbgeflachte oder verkratzte Rollen, träges Ansprechen, ungleiche Belastung der Backen
Rollenhaltefedern und -clipsHalten die Rollen am Backensteg festRolle fällt beim Radausbau heraus, Backe verkantet im Bremsträger
AnkerbolzenbuchsenErmöglichen der Backe ein Schwenken am Ankerpunkt ohne SeitenspielOvale Buchsen, Backenspiel, keilförmiger Belagverschleiß
Ankerbolzen (bei manchen Sätzen)Fester Drehpunkt der Backe gegenüber dem NockenRiefige oder festgefressene Bolzen, Backe klemmt statt zu schwenken
Sicherungsscheiben, Sprengringe, SplinteFixieren die Backe axial und halten die Baugruppe zusammenFehlende Kleinteile, Backe wandert seitlich im Bremsträger
Nockenwellenbuchsen und Fettdichtungen (nur Nockenwellensatz)Lagern die S-Nockenwelle in Bremsträger und Nockenhalter, halten Schmutz und Wasser fernSpiel an der Nockenwelle, schlechtes Halten der Einstellung, Korrosion
Nieten (bei genieteten Belägen)Befestigen die Belagsegmente auf dem BackenkörperLose Nieten, Klappern, Ablösen des Belags

Beachten Sie die Trennung: Ein Bremsbacken-Kleinteilesatz umfasst Federn, Rollen, Buchsen und Clips. Ein Nockenwellen-Reparatursatz umfasst Nockenbuchsen, Dichtungen, Anlaufscheiben und Sicherungsringe und ist ein eigener Arbeitsschritt, da die Nockenwelle ausgebaut werden muss. Manche Anbieter bündeln beides in einem Achssatz. Prüfen Sie die Teileliste vor der Bestellung, nicht erst wenn das Rad bereits abgebaut ist.

Warum Federn und Rollen zusammen mit den Belägen erneuert werden

Rückholfedern sitzen an einer beanspruchten Stelle: bei jeder langen Gefällestrecke stark erhitzt, danach Streusalz und Waschwasser ausgesetzt. Hitze lässt die Federspannung allmählich nach, sodass die Feder noch brauchbar aussieht, die Backe aber nicht mehr vollständig von der Trommel abhebt. Genau dieser Restkontakt verbrennt einen Belagsatz, und er zeigt sich selten bei einer statischen Prüfung, weil schon wenige Hundertstel Millimeter Schleifweg ausreichen, um Hitze aufzubauen. Vergleichen Sie eine gebrauchte Feder mit einer neuen aus dem Satz; hat sich die freie Länge merklich vergrößert oder die Windungen geöffnet, hat sie bereits Belagstandzeit gekostet.

Nockenrollen bekommen an der Kontaktfläche zum Nocken eine Abflachung. Einmal abgeflacht, rutscht die Rolle statt abzurollen, der effektive Nockenhub verändert sich leicht, und die beiden Backen bewegen sich nicht mehr synchron. Rollen sind günstig, und das Rad ist ohnehin bereits zerlegt – es gibt kaum einen Grund, sie wiederzuverwenden. Dasselbe gilt für Ankerbuchsen: Schon wenige Hundertstel Millimeter Unrundheit lassen die Backe kippeln, was das klassische keilförmige Verschleißbild erzeugt, bei dem ein Belagende bis auf die Nieten abgenutzt ist, während am anderen Ende noch Material vorhanden ist. Wie diese Teile zusammenwirken, erklären wir in unserem Beitrag zu S-Nocken-Trommelbremsen.

Den richtigen Satz auswählen

Kleinteilesätze sind nicht universell. Vor der Bestellung diese fünf Punkte klären:

  1. Bremsengröße. Trommelinnendurchmesser und Belagbreite messen. Bei europäischen S-Nocken-Bremsen liegen die Werte meist im Bereich von 410–420 mm Durchmesser bei Breiten von etwa 160 bis 220 mm. Nordamerikanische schwere Achsen laufen häufig mit 16,5 x 7 Zoll und 16,5 x 8 5/8 Zoll, teils 15 x 4 Zoll an Lenk- und Anhängerachsen. Der Satzinhalt unterscheidet sich zwischen den Größen selbst innerhalb einer Marke.
  2. Achsposition. Lenk-, Antriebs- und Anhängerachsen verwenden unterschiedliche Federraten und teils unterschiedliche Rollendurchmesser. Einen Anhängersatz nicht an einer Antriebsachse verbauen, nur weil die Verpackung ähnlich aussieht.
  3. Bauart der Backenhalterung. Klassische Bauarten schwenken die Backe auf einem Ankerbolzen mit eingepressten Buchsen. Schnellwechsel-Bauarten halten die Backe mit einer umgreifenden Haltefeder ohne separate Buchse. Die falsche Bauart bestellt, bleiben Teile übrig, die nicht passen.
  4. OE-Referenz. Mit der Nummer des Achs- bzw. Bremsenherstellers (je nach Fahrzeug Meritor, Bendix, Haldex, Knorr-Bremse oder Wabco) abgleichen statt nur mit dem Fahrzeugmodell. Ein und dasselbe Fahrgestell kann werksseitig mit mehr als einer Bremsenbauart ausgestattet sein.
  5. Kleinteile und Beläge zusammen beziehen. Satz und Belagsatz vom selben OE-Qualitätslieferanten zu beziehen vermeidet Toleranzprobleme; die Bremsbeläge und Trommelbremsenkomponenten von VADEN Original etwa sind auf dieselben Bremsenreferenzen abgestimmt wie das zugehörige Kleinteil.

Was der Satz nicht abdeckt

Ein Kleinteilesatz ersetzt keine vollständige Bremsenwartung. Separat prüfen und einkalkulieren: Trommeln (Hitzerisse, Sprünge und Nachdrehmaß gegen die eingeprägte Verschleißgrenze), Zustand von Bremszylinder und Druckstange, Gestängesteller mit Gabelbolzen, Zustand von Nockenhalter und Bremsträger sowie die Radnabendichtung. Zeigt die Nockenwelle spürbares Spiel in den Buchsen, jetzt beheben, denn eine lose Nockenwelle macht die gerade vorgenommene Einstellung zunichte. Nockenbuchsen und Gestängesteller gleichzeitig mit dem richtigen Schmierstoff abschmieren; Details in unserer Anleitung zum Abschmieren von Gestängestellern und Nockenwellen.

Beim Zusammenbau das passende Federwerkzeug verwenden statt mit einem Montiereisen zu hebeln, denn eine überdehnte oder angekerbte Feder ist Ausschuss. Die Einstellung nach Vorgabe setzen, dann den Kolbenhub bei Betriebsdruck prüfen und sicherstellen, dass beide Radseiten der Achse sauber lösen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie in unserem Leitfaden zum Wechsel von Lkw-Bremsbacken.

Für Anzugsmomente, Trommel-Verschleißgrenzen, Druckeinstellungen und Justierwerte stets das aktuelle Servicehandbuch des Achs- bzw. Bremsenherstellers beachten. Die Werte unterscheiden sich je nach Bauart und werden im Laufe der Zeit überarbeitet.
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Veröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.

Häufig gestellte Fragen

Was ist in einem Bremsbacken-Kleinteilesatz enthalten?
In der Regel die Backen-Rückholfeder, Nockenrollen mit Haltesicherungen, Ankerbolzenbuchsen sowie die Scheiben, Sicherungsringe und Splinte, die die Baugruppe zusammenhalten. Manche Sätze enthalten zusätzlich Ankerbolzen oder Belagnieten; Nockenwellenbuchsen und Dichtungen sind meist ein separater Satz.
Muss ich bei jedem Belagwechsel wirklich neue Kleinteile einbauen?
Ja. Rückholfedern lassen unter Hitze in der Spannung nach, und Nockenrollen bekommen Abflachungen, lange bevor sie verschlissen aussehen – beides führt zu Schleifen und ungleichmäßigem Belagverschleiß bei einer ansonsten korrekt ausgeführten Bremsenwartung.
Ist ein Kleinteilesatz dasselbe wie ein Nockenwellen-Reparatursatz?
Nein. Ein Kleinteilesatz betrifft die Backenseite (Federn, Rollen, Buchsen und Clips), während ein Nockenwellensatz Nockenbuchsen, Fettdichtungen, Anlaufscheiben und Sicherungsringe umfasst und den Ausbau der S-Nockenwelle erfordert.
Woran erkenne ich, welcher Satz zu meinem Lkw passt?
Bremsengröße abgleichen (z. B. 16,5 x 7 Zoll oder eine 420-mm-Bremse europäischer Bauart), Achsposition und Bauart der Backenhalterung bestimmen und dann mit der Teilenummer des Bremsenherstellers abgleichen, nicht nur mit dem Fahrzeugmodell.
Kann ich die Ankerbolzen weiterverwenden, wenn sie in Ordnung aussehen?
Nur wenn sie glatt, unverschlissen und frei von Riefen oder Korrosionsnarben sind. Jeder messbare Verschleiß gegenüber der Buchse lässt die Backe kippeln, was keilförmigen Belagverschleiß verursacht.
Behebt neues Kleinmaterial eine schleifende Bremse?
Häufig ja, wenn die Ursache eine schwache Rückholfeder oder ein festsitzender Backendrehpunkt ist. Vor der alleinigen Annahme, dass die Kleinteile schuld sind, Zylinder- und Druckstangenrückstellung, Funktion des Gestängestellers und Freigängigkeit der Nockenwelle prüfen.