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LKW-Bremsbacken wechseln – Schritt für Schritt

Eine Werkstatt-Anleitung zum Wechsel von S-Nocken-Trommelbremsbacken an LKW oder Anhänger – vom Sichern der Federspeicherzylinder bis zum Einfahren der neuen Bremsbeläge.

Geprüft von VADEN Original 5 Min. LesezeitAktualisiert
LKW-Bremsbacken wechseln – Schritt für Schritt

Der Wechsel von LKW-Bremsbacken an einer üblichen S-Nocken-Druckluftbremsachse dauert mit dem richtigen Werkzeug etwa zwei bis vier Stunden pro Achse und liegt durchaus im Bereich eines fähigen Technikers oder Fahrzeughalters. Der entscheidende Unterschied zu einer Pkw-Bremsarbeit ist, dass es sich hier um ein pneumatisches System mit Federspeicherzylindern handelt: Bevor irgendetwas demontiert wird, müssen die Räder unterlegt, das System aufgeladen und die Federspeicherzylinder mechanisch gesichert werden, damit die Bremse während der Arbeit nicht einfallen kann. Danach folgt eine methodische Reihenfolge – Nachsteller zurückdrehen, Trommel abziehen, Beschlagteile prüfen und ersetzen, neue Bremsbacken einbauen, einstellen und einfahren.

Arbeiten Sie eine Radseite nach der anderen ab und tauschen Sie Bremsbacken immer achsweise komplett. Neue Beläge auf einer Seite mit verschlissenen auf der anderen zu kombinieren, führt garantiert zu Ziehen, ungleichem Hub und einer nicht bestandenen Straßenkontrolle.

Vor dem Start: Sicherheit und Vorbereitung

Auf ebenem Untergrund parken, die Räder an einer Achse unterlegen, an der nicht gearbeitet wird, und den Motor laufen lassen, bis der Regler abschaltet – typischerweise im Bereich von 8,3 bis 9,3 bar, wobei ein intaktes System bei voller Ladung etwa bei 8,3 bar liegt. Bei diesem Druck sind die Federspeicherzylinder vollständig gelöst. Sichern Sie jeden Federspeicherzylinder an der zu wartenden Radseite mit der mitgelieferten Löseschraube und lassen Sie erst danach die Luft ab. Beim Druckabfall auf etwa 4,1 bar sind Warnleuchte und Summer für niedrigen Luftdruck normal, kein Defekt.

Niemals einen Federspeicherzylinder schlagen, aufschneiden oder einspannen. Die Kraftfeder im Inneren speichert genug Energie, um tödlich zu sein. Lässt sich ein Zylinder nicht sichern oder ist die Löseschraube festgefressen, den Zylinder ersetzen, statt weiterzukämpfen. Die vollständige Vorgehensweise finden Sie in unserer Anleitung zum Sichern eines Bremszylinders.

Radmuttern vor dem Aufbocken lösen, die Achse auf zugelassenen Böcken abstützen und sich niemals allein auf einen Wagenheber verlassen. Bei ölgeschmierter Nabe Auffangwanne und frisches Naböl bereithalten – der Radialwellendichtring wird ebenfalls erneuert.

Werkzeug und Teile

  • Bremsbackensatz mit Belag für die gesamte Achse, neu oder qualitativ hochwertig aufgearbeitet im Austausch
  • Kompletter Beschlagsatz: Rückholfedern, Ankerbolzenbuchsen, Rollen, Sicherungsclips, Nockenwellenbuchsen und Dichtungen
  • Neuer Radialwellendichtring, zusätzlich Lager, falls die alten Verschleiß oder Verfärbung zeigen
  • Bremsfederwerkzeug, großer Montierhebel, Messingdorn
  • Drehmomentschlüssel für den Radmutternbereich sowie ein Zoll-Pfund-Schlüssel für die Lagereinstellung
  • Bremstrommelmessschraube, Belagdickenlehre, Messuhr für Axialspiel
  • Naböl oder Lagerfett nach Achsspezifikation, Bremsenreiniger, Kupferpaste

Schritt für Schritt: Wechsel der S-Nocken-Bremsbacken

  1. Nachsteller zurückdrehen. Die manuelle Nachstellmutter drehen, um die Kolbenstange einzuziehen. Bei automatischen Nachstellern die Herstellerangaben und angegebenen Drehbegrenzungen beachten – ein gewaltsames Zurückdrehen über den Auslegungspunkt hinaus beschädigt die interne Einwegkupplung.
  2. Rad und Trommel abnehmen. Die Radeinheit entfernen, dann Nabendeckel oder Achsflansch, und bei ölgeschmierter Nabe Trommel und Nabe als Einheit abziehen. Öl auffangen und die Nabe abstützen, damit die Lager nicht herausfallen.
  3. Alte Bremsbacken ausbauen. Die Rückholfeder mit dem passenden Werkzeug lösen, die Bremsbacken von den Ankerbolzen abheben und von den Nockenrollen wegziehen. Auf die Einbaulage achten – vor- und nachlaufende Backen haben oft unterschiedliche Teilenummern oder Belaglängen.
  4. Reinigen und prüfen. Den Bremsträger abwischen, die Ankerbolzen auf Riefenbildung prüfen und die Nockenwelle auf Radialspiel, Verzahnungsverschleiß sowie trockene oder verschlissene Buchsen kontrollieren. Nockenwellenbuchsen und Dichtungen erneuern, solange alles offen ist – das ist der günstige Teil der Arbeit.
  5. Neue Beschlagteile einbauen. Neue Ankerbolzenbuchsen, Rollen, Sicherungen und Rückholfedern montieren. Niemals eine ausgeleierte Rückholfeder wiederverwenden – eine schwache Feder lässt den Belag schleifen und verbrennt die Trommel.
  6. Bremsbacken einbauen. Auf den Ankerbolzen aufsetzen, Rollen am Nockenkopf positionieren, dann zuletzt die Rückholfeder einhängen. Ankerbolzen und Rollenkontaktpunkte leicht mit Hochtemperatur-Bremsfett schmieren, dabei jede Spur davon von der Reibfläche fernhalten.
  7. Trommel montieren und Lager einstellen. Neuen Radialwellendichtring einbauen, Nabe und Trommel aufschieben und die Lager nach dem Verfahren des Achsherstellers einstellen (TMC RP618 ist die gängige Branchenreferenz), Zielwert etwa 0,025 bis 0,127 mm Axialspiel. Naböl bis zur Schauglaslinie auffüllen oder nach Vorgabe neu befetten.
  8. Bremse einstellen. Den Nachsteller drehen, bis die Backen die Trommel gerade berühren, dann zurückdrehen, bis die Trommel mit minimalem Widerstand frei dreht. Details in Anleitung zum Einstellen des Nachstellers.
  9. Zusammenbau und Anzugsdrehmoment. Räder montieren und die Muttern mit dem OE-Wert anziehen – üblich sind 610 bis 680 Nm bei nabenzentrierten Radeinheiten – im korrekten Sternmuster, dann die Federspeicherzylinder entsichern, bevor sich der LKW bewegt. Nach 80 bis 150 km nachziehen.

Was bei abgenommener Trommel zu prüfen ist

Die halbe Wertschöpfung dieser Arbeit liegt in der Inspektion. Neue Backen, die gegen eine ausgeglockte Trommel oder eine ausgeschlagene Nockenwelle laufen, verschleißen schnell und bremsen ungleichmäßig.

Prüfpunkte am Radende beim Bremsbackenwechsel
BauteilWorauf zu achten istMaßnahme
BelagdickeViele Flotten tauschen Backen bei noch etwa 6 mm Restdicke; die gesetzliche Untergrenze nach FMCSA 393.47 liegt niedriger und variiert je nach BelagtypAchsweise ersetzen
Trommel-InnendurchmesserMit dem in die Trommel gegossenen oder gestanzten Verschleißmaß vergleichen (üblich: Nennmaß plus 2,0 mm)Bei Erreichen oder Überschreiten des Grenzwerts ersetzen
Trommel-Unrundheit / KonizitätMeist auf etwa 0,25 mm begrenzt; mit Herstellerangabe abgleichenInnerhalb der Grenzen nacharbeiten oder ersetzen
Zustand der TrommeloberflächeFeine Hitzerisse sind normal; Risse, die an einen offenen Rand reichen oder durch die Reibfläche verlaufen, sind es nichtTrommel ersetzen
Nockenwelle und BuchsenSpürbares Taumeln, trockene Buchsen, verschlissene Verzahnung, beschädigte DichtungenNeu buchsen und abdichten
Ankerbolzen und RollenRiefenbildung, Abflachungen, festgefressene RollenMit Beschlagsatz ersetzen
Bremszylinder und KolbenstangeGerissene Manschette, verbogene Stange, korrodierte Gabel, undichter ZylinderZylinder oder Gabel ersetzen
Radialwellendichtring und LagerÖl auf dem Belag, verfärbte oder ausgebrochene WälzkörperDichtring immer neu; Lager nach Befund

Ist die Trommel über ihr Verschleißmaß hinaus abgenutzt, ersetzen – das Nacharbeiten einer bereits dünnen Trommel lässt zu wenig Masse zur Wärmeaufnahme übrig. Mehr zu Auswahl und Verschleißbildern auf unserer Seite über LKW-Bremstrommeln.

Bremszylinderhub vor der Fahrt prüfen

Nach der Einstellung sollte ein Helfer bei ausgeschaltetem Motor eine Vollbremsung bei etwa 6,2 bis 6,9 bar auslösen, während Sie den Kolbenhub vom gelösten bis zum betätigten Zustand messen. Liegt der Hub bei einer frisch belegten Bremse bereits nahe der Grenze, stimmt etwas anderes nicht – ein klemmender Nocken, eine falsche Backen-Trommel-Kombination oder ein Nachsteller, der ersetzt werden muss.

Übliche Nachstellgrenzen für Klemmzylinder
ZylindertypNennhubNachstellgrenze
Typ 20Standard44,5 mm
Typ 24Standard44,5 mm
Typ 24Langhub51 mm
Typ 30Standard51 mm
Typ 30Langhub63,5 mm

Diese Werte markieren den Punkt, an dem die Bremse außer Einstellung ist, kein Zielwert – eine frisch eingestellte Bremse sollte deutlich unter der Grenze liegen. Vor Abschluss der Arbeit den für den tatsächlich verbauten Zylinder angegebenen Wert bestätigen.

Einfahren und Nachkontrolle

Neue Beläge liefern erst dann volles Bremsmoment, wenn sie sich an die Trommel angepasst haben. Über die ersten 150 bis 300 km eine Reihe leichter bis mäßiger Bremsungen mit Abkühlpausen dazwischen durchführen und in diesem Zeitraum starkes oder anhaltendes Bremsen vermeiden. Ein leicht verändertes Pedalgefühl und ein veränderter Bremsweg sind normal, bis die Backen eingelaufen sind.

Radmuttern nach den ersten 80 bis 150 km nachziehen, Bremszylinderhub erneut prüfen und den Naböl-Füllstand kontrollieren. Die Wahl des Reibmaterials ist genauso wichtig wie das Verfahren selbst – Bremsbelag- und Bremsbackensätze von VADEN Original in OE-Qualität sind auf die Trommel-Zylinder-Kombinationen abgestimmt, für die sie entwickelt wurden, was Hub, Verschleißrate und Bremsmoment seitenübergreifend konstant hält.

Häufige Fehler

  • Verbrauchte Rückholfedern oder verschlissene Ankerbolzenbuchsen zusammen mit neuen Belägen wiederverwenden
  • Nockenwellenbuchse überspringen, obwohl das Radende bereits offen ist
  • Fett oder Bremsfett auf die Reibfläche gelangen lassen
  • Einen automatischen Nachsteller manuell nachstellen, um einen zu großen Hub zu kaschieren, statt die Ursache zu suchen
  • Nur eine Radseite bearbeiten und danach einem Ziehen hinterherjagen
  • Vergessen, die Federspeicherzylinder zu entsichern, bevor sich der LKW bewegt
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Veröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich die Federspeicherzylinder sichern, um Bremsbacken zu wechseln?
Ja. Der Federspeicherzylinder muss mechanisch gesichert werden, bevor die Luft abgelassen wird, sonst klemmt er die Backen fest, sobald der Druck abfällt. Räder unterlegen und das System aufladen, bis der Regler abschaltet (meist 8,3 bis 9,3 bar), damit der Zylinder beim Sichern vollständig gelöst ist.
Wie lange dauert der Wechsel von LKW-Bremsbacken?
Für einen erfahrenen Techniker etwa zwei bis vier Stunden pro Achse einplanen, länger, wenn die Trommel festsitzt, die Nockenwellenbuchsen ersetzt werden müssen oder die Nabe neu befettet werden muss. Verrostete oder festgebrannte Trommeln sind der übliche Grund für längere Arbeitszeiten.
Kann ich Bremsbacken nur an einem Rad wechseln?
Nein. Immer achsweise komplett ersetzen, damit beide Seiten der Achse gleiche Reibwerte und gleichen Hub haben. Nicht zueinander passende Beläge verursachen Ziehen, ungleichmäßigen Verschleiß und können zur Stilllegung führen.
Muss ich die Trommel wechseln, wenn ich die Bremsbacken ersetze?
Nur wenn die Trommel das eingegossene Verschleißmaß erreicht oder überschritten hat, außerhalb der Rundlauftoleranz liegt oder durch die Reibfläche gerissen ist. Feine Hitzerisse an einer noch im Toleranzbereich liegenden Trommel sind normal und erfordern keinen Austausch.
Woran erkenne ich, dass die neuen Bremsbacken richtig eingestellt sind?
Bei ausgeschaltetem Motor eine Vollbremsung bei etwa 6,2 bis 6,9 bar auslösen und den Kolbenhub messen. Eine frisch eingestellte Bremse sollte deutlich unter der Nachstellgrenze ihres Zylindertyps liegen; liegt der Hub bereits nahe der Grenze, müssen Nocken, Nachsteller oder Backen-Trommel-Passung überprüft werden.
Müssen neue LKW-Bremsbacken eingefahren werden?
Ja. In den ersten 150 bis 300 km leichte bis mäßige Bremsungen mit Abkühlpausen dazwischen durchführen; die Bremsleistung verbessert sich, während sich der Belag an die Trommel anpasst.