
Der Wechsel von LKW-Bremsbacken an einer üblichen S-Nocken-Druckluftbremsachse dauert mit dem richtigen Werkzeug etwa zwei bis vier Stunden pro Achse und liegt durchaus im Bereich eines fähigen Technikers oder Fahrzeughalters. Der entscheidende Unterschied zu einer Pkw-Bremsarbeit ist, dass es sich hier um ein pneumatisches System mit Federspeicherzylindern handelt: Bevor irgendetwas demontiert wird, müssen die Räder unterlegt, das System aufgeladen und die Federspeicherzylinder mechanisch gesichert werden, damit die Bremse während der Arbeit nicht einfallen kann. Danach folgt eine methodische Reihenfolge – Nachsteller zurückdrehen, Trommel abziehen, Beschlagteile prüfen und ersetzen, neue Bremsbacken einbauen, einstellen und einfahren.
Arbeiten Sie eine Radseite nach der anderen ab und tauschen Sie Bremsbacken immer achsweise komplett. Neue Beläge auf einer Seite mit verschlissenen auf der anderen zu kombinieren, führt garantiert zu Ziehen, ungleichem Hub und einer nicht bestandenen Straßenkontrolle.
Vor dem Start: Sicherheit und Vorbereitung
Auf ebenem Untergrund parken, die Räder an einer Achse unterlegen, an der nicht gearbeitet wird, und den Motor laufen lassen, bis der Regler abschaltet – typischerweise im Bereich von 8,3 bis 9,3 bar, wobei ein intaktes System bei voller Ladung etwa bei 8,3 bar liegt. Bei diesem Druck sind die Federspeicherzylinder vollständig gelöst. Sichern Sie jeden Federspeicherzylinder an der zu wartenden Radseite mit der mitgelieferten Löseschraube und lassen Sie erst danach die Luft ab. Beim Druckabfall auf etwa 4,1 bar sind Warnleuchte und Summer für niedrigen Luftdruck normal, kein Defekt.
Niemals einen Federspeicherzylinder schlagen, aufschneiden oder einspannen. Die Kraftfeder im Inneren speichert genug Energie, um tödlich zu sein. Lässt sich ein Zylinder nicht sichern oder ist die Löseschraube festgefressen, den Zylinder ersetzen, statt weiterzukämpfen. Die vollständige Vorgehensweise finden Sie in unserer Anleitung zum Sichern eines Bremszylinders.
Radmuttern vor dem Aufbocken lösen, die Achse auf zugelassenen Böcken abstützen und sich niemals allein auf einen Wagenheber verlassen. Bei ölgeschmierter Nabe Auffangwanne und frisches Naböl bereithalten – der Radialwellendichtring wird ebenfalls erneuert.
Werkzeug und Teile
- Bremsbackensatz mit Belag für die gesamte Achse, neu oder qualitativ hochwertig aufgearbeitet im Austausch
- Kompletter Beschlagsatz: Rückholfedern, Ankerbolzenbuchsen, Rollen, Sicherungsclips, Nockenwellenbuchsen und Dichtungen
- Neuer Radialwellendichtring, zusätzlich Lager, falls die alten Verschleiß oder Verfärbung zeigen
- Bremsfederwerkzeug, großer Montierhebel, Messingdorn
- Drehmomentschlüssel für den Radmutternbereich sowie ein Zoll-Pfund-Schlüssel für die Lagereinstellung
- Bremstrommelmessschraube, Belagdickenlehre, Messuhr für Axialspiel
- Naböl oder Lagerfett nach Achsspezifikation, Bremsenreiniger, Kupferpaste
Schritt für Schritt: Wechsel der S-Nocken-Bremsbacken
- Nachsteller zurückdrehen. Die manuelle Nachstellmutter drehen, um die Kolbenstange einzuziehen. Bei automatischen Nachstellern die Herstellerangaben und angegebenen Drehbegrenzungen beachten – ein gewaltsames Zurückdrehen über den Auslegungspunkt hinaus beschädigt die interne Einwegkupplung.
- Rad und Trommel abnehmen. Die Radeinheit entfernen, dann Nabendeckel oder Achsflansch, und bei ölgeschmierter Nabe Trommel und Nabe als Einheit abziehen. Öl auffangen und die Nabe abstützen, damit die Lager nicht herausfallen.
- Alte Bremsbacken ausbauen. Die Rückholfeder mit dem passenden Werkzeug lösen, die Bremsbacken von den Ankerbolzen abheben und von den Nockenrollen wegziehen. Auf die Einbaulage achten – vor- und nachlaufende Backen haben oft unterschiedliche Teilenummern oder Belaglängen.
- Reinigen und prüfen. Den Bremsträger abwischen, die Ankerbolzen auf Riefenbildung prüfen und die Nockenwelle auf Radialspiel, Verzahnungsverschleiß sowie trockene oder verschlissene Buchsen kontrollieren. Nockenwellenbuchsen und Dichtungen erneuern, solange alles offen ist – das ist der günstige Teil der Arbeit.
- Neue Beschlagteile einbauen. Neue Ankerbolzenbuchsen, Rollen, Sicherungen und Rückholfedern montieren. Niemals eine ausgeleierte Rückholfeder wiederverwenden – eine schwache Feder lässt den Belag schleifen und verbrennt die Trommel.
- Bremsbacken einbauen. Auf den Ankerbolzen aufsetzen, Rollen am Nockenkopf positionieren, dann zuletzt die Rückholfeder einhängen. Ankerbolzen und Rollenkontaktpunkte leicht mit Hochtemperatur-Bremsfett schmieren, dabei jede Spur davon von der Reibfläche fernhalten.
- Trommel montieren und Lager einstellen. Neuen Radialwellendichtring einbauen, Nabe und Trommel aufschieben und die Lager nach dem Verfahren des Achsherstellers einstellen (TMC RP618 ist die gängige Branchenreferenz), Zielwert etwa 0,025 bis 0,127 mm Axialspiel. Naböl bis zur Schauglaslinie auffüllen oder nach Vorgabe neu befetten.
- Bremse einstellen. Den Nachsteller drehen, bis die Backen die Trommel gerade berühren, dann zurückdrehen, bis die Trommel mit minimalem Widerstand frei dreht. Details in Anleitung zum Einstellen des Nachstellers.
- Zusammenbau und Anzugsdrehmoment. Räder montieren und die Muttern mit dem OE-Wert anziehen – üblich sind 610 bis 680 Nm bei nabenzentrierten Radeinheiten – im korrekten Sternmuster, dann die Federspeicherzylinder entsichern, bevor sich der LKW bewegt. Nach 80 bis 150 km nachziehen.
Was bei abgenommener Trommel zu prüfen ist
Die halbe Wertschöpfung dieser Arbeit liegt in der Inspektion. Neue Backen, die gegen eine ausgeglockte Trommel oder eine ausgeschlagene Nockenwelle laufen, verschleißen schnell und bremsen ungleichmäßig.
| Bauteil | Worauf zu achten ist | Maßnahme |
|---|---|---|
| Belagdicke | Viele Flotten tauschen Backen bei noch etwa 6 mm Restdicke; die gesetzliche Untergrenze nach FMCSA 393.47 liegt niedriger und variiert je nach Belagtyp | Achsweise ersetzen |
| Trommel-Innendurchmesser | Mit dem in die Trommel gegossenen oder gestanzten Verschleißmaß vergleichen (üblich: Nennmaß plus 2,0 mm) | Bei Erreichen oder Überschreiten des Grenzwerts ersetzen |
| Trommel-Unrundheit / Konizität | Meist auf etwa 0,25 mm begrenzt; mit Herstellerangabe abgleichen | Innerhalb der Grenzen nacharbeiten oder ersetzen |
| Zustand der Trommeloberfläche | Feine Hitzerisse sind normal; Risse, die an einen offenen Rand reichen oder durch die Reibfläche verlaufen, sind es nicht | Trommel ersetzen |
| Nockenwelle und Buchsen | Spürbares Taumeln, trockene Buchsen, verschlissene Verzahnung, beschädigte Dichtungen | Neu buchsen und abdichten |
| Ankerbolzen und Rollen | Riefenbildung, Abflachungen, festgefressene Rollen | Mit Beschlagsatz ersetzen |
| Bremszylinder und Kolbenstange | Gerissene Manschette, verbogene Stange, korrodierte Gabel, undichter Zylinder | Zylinder oder Gabel ersetzen |
| Radialwellendichtring und Lager | Öl auf dem Belag, verfärbte oder ausgebrochene Wälzkörper | Dichtring immer neu; Lager nach Befund |
Ist die Trommel über ihr Verschleißmaß hinaus abgenutzt, ersetzen – das Nacharbeiten einer bereits dünnen Trommel lässt zu wenig Masse zur Wärmeaufnahme übrig. Mehr zu Auswahl und Verschleißbildern auf unserer Seite über LKW-Bremstrommeln.
Bremszylinderhub vor der Fahrt prüfen
Nach der Einstellung sollte ein Helfer bei ausgeschaltetem Motor eine Vollbremsung bei etwa 6,2 bis 6,9 bar auslösen, während Sie den Kolbenhub vom gelösten bis zum betätigten Zustand messen. Liegt der Hub bei einer frisch belegten Bremse bereits nahe der Grenze, stimmt etwas anderes nicht – ein klemmender Nocken, eine falsche Backen-Trommel-Kombination oder ein Nachsteller, der ersetzt werden muss.
| Zylindertyp | Nennhub | Nachstellgrenze |
|---|---|---|
| Typ 20 | Standard | 44,5 mm |
| Typ 24 | Standard | 44,5 mm |
| Typ 24 | Langhub | 51 mm |
| Typ 30 | Standard | 51 mm |
| Typ 30 | Langhub | 63,5 mm |
Diese Werte markieren den Punkt, an dem die Bremse außer Einstellung ist, kein Zielwert – eine frisch eingestellte Bremse sollte deutlich unter der Grenze liegen. Vor Abschluss der Arbeit den für den tatsächlich verbauten Zylinder angegebenen Wert bestätigen.
Einfahren und Nachkontrolle
Neue Beläge liefern erst dann volles Bremsmoment, wenn sie sich an die Trommel angepasst haben. Über die ersten 150 bis 300 km eine Reihe leichter bis mäßiger Bremsungen mit Abkühlpausen dazwischen durchführen und in diesem Zeitraum starkes oder anhaltendes Bremsen vermeiden. Ein leicht verändertes Pedalgefühl und ein veränderter Bremsweg sind normal, bis die Backen eingelaufen sind.
Radmuttern nach den ersten 80 bis 150 km nachziehen, Bremszylinderhub erneut prüfen und den Naböl-Füllstand kontrollieren. Die Wahl des Reibmaterials ist genauso wichtig wie das Verfahren selbst – Bremsbelag- und Bremsbackensätze von VADEN Original in OE-Qualität sind auf die Trommel-Zylinder-Kombinationen abgestimmt, für die sie entwickelt wurden, was Hub, Verschleißrate und Bremsmoment seitenübergreifend konstant hält.
Häufige Fehler
- Verbrauchte Rückholfedern oder verschlissene Ankerbolzenbuchsen zusammen mit neuen Belägen wiederverwenden
- Nockenwellenbuchse überspringen, obwohl das Radende bereits offen ist
- Fett oder Bremsfett auf die Reibfläche gelangen lassen
- Einen automatischen Nachsteller manuell nachstellen, um einen zu großen Hub zu kaschieren, statt die Ursache zu suchen
- Nur eine Radseite bearbeiten und danach einem Ziehen hinterherjagen
- Vergessen, die Federspeicherzylinder zu entsichern, bevor sich der LKW bewegt
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VADEN-Teile kaufenVeröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.