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Membranbremszylinder vs. Federspeicherzylinder: Was ist der Unterschied?

Beide werden an denselben Halterungen montiert und betätigen dieselbe Gestängesteller-Nachstellvorrichtung, doch nur einer hält das Fahrzeug, wenn die Luft weg ist.

Geprüft von VADEN Original 4 Min. LesezeitAktualisiert

Ein Membranbremszylinder ist ein einfacher Betriebsbremszylinder mit einer Membran: Luft strömt ein, die Druckstange fährt aus, das ist die gesamte Funktion. Ein Federspeicherzylinder ist derselbe Betriebsbremszylinder, an dessen Rückseite zusätzlich eine federbelastete Kammer verschraubt ist, die derselben Druckstange die Feststell- und Hilfsbremsfunktion hinzufügt. Am Fahrzeug ist der Unterschied leicht zu erkennen – ein Membranbremszylinder hat eine Luftleitung, eine Federspeicherzylinder-Baugruppe hat zwei Luftleitungen und einen Lösebolzen, der aus dem hinteren Deckel ragt.

Beide sind pneumatisch. Keiner enthält Flüssigkeit, keiner ist ein hydraulischer Sattelzylinder. Beide werden auf denselben Halterungstyp montiert, nutzen dieselbe Anordnung aus Druckstange und Gabelkopf und wirken auf denselben Gestängesteller oder Scheibenbremshebel. Was sich ändert, ist das, was passiert, wenn die Luft weg ist.

Was ein Membranbremszylinder ist

Ein Membranbremszylinder – auch Einkammerzylinder, Betriebsbremszylinder oder Klemmringzylinder genannt – ist eine flache, runde Dose, die von einem Klemmring geteilt wird. Im Inneren befinden sich eine Gummimembran, eine Druckplatte, eine Rückstellfeder und die Druckstange. Betriebsbremsluft vom Fußventil oder Relaisventil tritt durch den einzigen Anschluss ein, drückt die Membran und fährt die Druckstange aus. Wird das Pedal gelöst, entweicht die Luft und die interne Rückstellfeder zieht die Stange zurück.

Da nur eine Kammer vorhanden ist, ist ein Membranbremszylinder kurz, leicht und günstig im Austausch. Er ist außerdem völlig wirkungslos, wenn kein Luftdruck im System ist: keine Luft, keine Bremswirkung von diesem Zylinder. Deshalb werden reine Betriebsbremszylinder dort eingesetzt, wo ein separates Feststellbremssystem das Fahrzeug absichert, nicht als einzige Bremse des Fahrzeugs.

Was ein Federspeicherzylinder ist

Ein Federspeicherzylinder ist die Feststellbremshälfte. Im Werkstattalltag wird der Begriff auf zwei Arten verwendet, beide sind je nach Zusammenhang korrekt:

  • Die Federkammer – das hintere Gehäuse mit der großen Kraftfeder, das einzeln verkauft wird, um auf eine intakte Betriebsbremshälfte geschraubt zu werden.
  • Der komplette Kombizylinder – Betriebsbremsteil plus Federkammer als eine Baugruppe, auch Zweikammerzylinder, Federspeicherzylinder oder Maxi-Zylinder genannt.

Die Federkammer arbeitet entgegengesetzt zur Betriebsbremsseite. Luftdruck am Federanschluss spannt die Kraftfeder und hält die Bremse gelöst. Wird die Feststellbremse gezogen oder geht der Vorratsdruck verloren, entweicht diese Luft und die Feder treibt die Druckstange mechanisch aus. In der Praxis beginnen die Federspeicherbremsen zu schleifen und legen dann an, sobald der Systemdruck auf etwa 1,4–3,1 bar fällt – lange nachdem die Niederdruckwarnung bereits bei rund 4,1 bar angesprungen ist. Bei einem intakten, voll geladenen System nahe 8,3 bar, bei dem der Regler etwa im Bereich 8,3–9,3 bar abschaltet und bei rund 6,9–7,6 bar wieder einschaltet, bleibt die Federkammer den ganzen Tag einfach gelöst gehalten. Mehr zum Verhalten dieses Kreises steht in unserer Anleitung zum Federspeicher- und Feststellbremssystem.

Membranbremszylinder vs. Federspeicherzylinder im Überblick

MerkmalMembranbremszylinder (Betriebsbremse)Federspeicherzylinder
KammernEine MembranBetriebsbremsmembran plus Federkammer
LuftanschlüsseEiner (Betriebsbremse)Zwei (Betriebsbremse und Feder/Feststellbremse)
FunktionNur BetriebsbremsungBetriebs-, Feststell- und Hilfsbremsung
Ohne Luft im SystemTut nichtsFeder legt die Bremse mechanisch an
LösebolzenKeinerJa, Lösebolzen im oder neben dem hinteren Deckel
Typische BezeichnungenTyp 12, 16, 20, 24, 3024/24, 30/30, 24/30, 30/36
Länge und GewichtKurz, leichtEtwa doppelt so lang, spürbar schwerer
Typischer EinbauortLenkachse, manche Lift- und AnhängerachsenAntriebsachsen, Anhängerachsen
Instandhaltung vor OrtMembransatz oder KomplettaustauschBetriebsbremsmembransatz; Federkammer als Einheit ersetzt

So werden sie am Fahrzeug unterschieden

  • Luftleitungen zählen. Ein Schlauch bedeutet Membranbremszylinder. Zwei Schläuche bedeuten eine Federkammer auf der Rückseite.
  • Nach dem Lösebolzen suchen. Ein in einer Klammer am Gehäuse verstauter oder bereits im hinteren Deckel eingeschraubter Sicherungsbolzen ist ein eindeutiges Zeichen für einen Federspeicherzylinder.
  • Die Länge prüfen. Ein Kombizylinder ist bei gleichem Durchmesser etwa doppelt so tief wie ein Membranbremszylinder.
  • Das Typenschild lesen. Eine einzelne Zahl (24, 30) bedeutet nur Betriebsbremse; ein durch Schrägstrich getrenntes Zahlenpaar (30/30) steht für Betriebsbremsfläche über Federfläche.
  • Die Funktion beobachten. System laden, Feststellbremse lösen – die Druckstange sollte einfahren. Wird der gelbe Knopf gezogen, fährt eine Federkammer aus und bleibt draußen.

Wo welcher Zylinder hingehört

Lenkachsen der meisten Sattelzugmaschinen und Solofahrzeuge sind mit Membranbremszylindern ausgestattet, meist Typ 20 oder 24, weil die Feststell- und Hilfsbremsfunktion an den Antriebsachsen bereitgestellt wird und hinter dem Achsschenkel wenig Platz ist. Antriebs- und Anhängerachsen tragen Kombizylinder, damit das Fahrzeug bei entlüftetem System mechanisch gehalten wird. Manche Nutzfahrzeug- und Schwerlastspezifikationen sehen zusätzliche Federspeicher an der Vorderachse für mehr Feststellkraft vor, bei Bussen und Reisebussen variiert es je nach Fahrgestell.

Bauarten nicht eigenmächtig tauschen. Wird ein Federspeicherzylinder anstelle eines Membranbremszylinders eingebaut, ist eine Feststellbremsluftversorgung an dieser Achse nötig, ein korrekter Anti-Compounding-Schutz, damit sich Betriebs- und Federkraft an derselben Bremse nicht addieren, sowie physischer Freiraum über den gesamten Lenk- und Federungsweg. Wird ein Membranbremszylinder dort eingebaut, wo ein Federspeicherzylinder hingehört, entfällt die Feststellbremse an diesem Radende und das Fahrzeug fällt bei der ersten Prüfung durch.

Das richtige Ersatzteil bestellen

Bremszylinder von Bendix, Wabco/ZF, Knorr-Bremse, Haldex, Meritor und MGM teilen sich die gleiche Grundbauweise, daher geht es beim Austausch um passende Maße statt Markentreue. Vor der Bestellung Folgendes notieren:

  • Typennummer und bei einem Kombizylinder beide Nummern (zum Beispiel 30/30).
  • Normalhub oder Langhub – Langhubzylinder sind gekennzeichnet und meist durch eine quadratische oder trapezförmige Kennung erkennbar, und das Mischen ändert die Nachstellgrenzen.
  • Länge und Gewinde der Druckstange, sowie ob Gabelkopf und Bolzen im Lieferumfang enthalten sind.
  • Anschlusspositionen und Ausrichtung relativ zu den Befestigungsbolzen, damit die Schläuche spannungsfrei verlegt werden können.
  • Lochkreis der Befestigungsbolzen und Halterungsbauart.
  • Verschlossene (nicht wartbare) oder Klemmring-Bauweise, falls der Flottenstandard das vorschreibt.

Wie sich die Zahlen in Klemmkraft übersetzen, erklärt unsere Übersicht zu Bremszylindergrößen mit dem Zusammenhang von wirksamer Fläche und Hub. Zylinder immer achsweise paarweise austauschen, damit beide Radenden dieselbe Kraft entwickeln.

Sicherheit: Die Federkammer ist kein reparierbares Bauteil

Eine gespannte Kraftfeder speichert genug Energie, um tödlich zu sein. Sie hat keine Sicherung, keinen Druckabbau, und es ist ihr gleichgültig, dass der LKW seit einer Woche abgestellt ist.

Niemals ein Federgehäuse schneiden, aufschweißen, aufbohren oder aufhebeln, und niemals einen Federspeicherzylinder von der Achse entfernen, bevor er gesichert ist. Den Lösebolzen eindrehen, um die Feder zu spannen, das Einfahren der Druckstange bestätigen, dann das Bauteil abschrauben. Die vollständige Anleitung steht in unserer Beschreibung, wie ein Bremszylinder gesichert wird. Betriebsbremsmembranen und Klemmringsätze sind an der vorderen Hälfte unbedenklich; die Federhälfte wird komplett ersetzt und unversehrt verschrottet.

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Veröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Federspeicherzylinder dasselbe wie ein Kombizylinder?
In der Praxis ja – Federspeicherzylinder ist die werkstattübliche Kurzbezeichnung für die Federkammer, die hinter dem Betriebsbremszylinder montiert wird. Der Begriff wird auch locker für den kompletten, als eine Baugruppe verkauften Kombizylinder verwendet.
Kann nur die Federkammer ersetzt und der alte Betriebsbremszylinder behalten werden?
Ja, Federkammern werden einzeln verkauft und auf eine intakte Betriebsbremshälfte geschraubt. Zuerst Betriebsbremsmembran, Klemmring und Druckstange prüfen, denn die Arbeit zweimal zu machen kostet mehr als die Komplettbaugruppe.
Was bedeutet 30/30 an einem Bremszylinder?
Die erste Zahl ist die wirksame Betriebsbremsmembranfläche in Quadratzoll, die zweite die Klasse der Federkammer. Ein 30/30 hat etwa 30 Quadratzoll Betriebsbremsfläche mit einer passenden Federkammer der Klasse 30.
Bei welchem Druck legen die Federspeicherbremsen an?
Sie beginnen zu schleifen und legen dann an, sobald der Systemdruck auf etwa 1,4–3,1 bar fällt, lange nachdem die Niederdruckwarnung bereits bei rund 4,1 bar angesprungen ist. Ein intaktes System liegt nahe 8,3 bar mit einem Regler-Abschaltpunkt um 8,3–9,3 bar.
Warum hat meine Lenkachse Membranbremszylinder und keine Feststellbremse?
Bei den meisten Sattelzugmaschinen und Solofahrzeugen wird die Feststell- und Hilfsbremsfunktion an Antriebs- und Anhängerachsen bereitgestellt, sodass die Lenkachse nur Betriebsbremszylinder benötigt. Manche Nutzfahrzeugspezifikationen sehen zusätzliche Federspeicher an der Vorderachse für mehr Feststellkraft vor.
Kann anstelle eines Membranbremszylinders ein Federspeicherzylinder eingebaut werden?
Nur wenn diese Achse über eine geeignete Feststellbremsluftversorgung, korrekten Anti-Compounding-Schutz und physischen Freiraum über den gesamten Lenk- und Federungsweg verfügt. Das ist eine Änderung der Spezifikation, kein einfacher Teiletausch.