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30/30 Bremszylinder erklärt: Größen, Hub und Bestellung

Ein 30/30 Bremszylinder vereint einen Betriebsbremsteil mit 30 Quadratzoll Wirkfläche und einen Federspeicherteil mit ebenfalls 30 Quadratzoll in einer anbaufertigen Einheit – hier erfahren Sie, was das bedeutet, wo er eingesetzt wird und wie man ihn richtig bestellt.

Geprüft von VADEN Original 4 Min. LesezeitAktualisiert
30/30 Bremszylinder erklärt: Größen, Hub und Bestellung

Ein 30/30 Bremszylinder ist ein Huckepack-Federspeicherzylinder. Die erste Zahl steht für die Betriebsbremsseite – Typ 30, also rund 30 Quadratzoll wirksame Membranfläche. Die zweite Zahl steht für die Federspeicherseite, ebenfalls nominell 30 Quadratzoll. Ein Gehäuse erfüllt zwei Aufgaben: Die vordere Hälfte betätigt die Bremse, wenn der Fahrer das Bremsventil betätigt, die hintere Hälfte enthält eine gewickelte Kraftfeder, die die Feststell- und Notbremse auslöst, sobald der Luftdruck abfällt. Es ist die häufigste Federspeichergröße an Antriebsachsen von Sattelzugmaschinen und bei den meisten Fernverkehrsanhängern.

Was die beiden Zahlen tatsächlich bedeuten

Bremszylinder-„Typen" werden nach wirksamer Membranfläche in Quadratzoll angegeben – Typ 12, 16, 20, 24, 30, 36. Diese Fläche, multipliziert mit dem einwirkenden Luftdruck, ergibt die theoretische Druckstangenkraft. Ein Typ 30 erzeugt bei 100 psi vor Gestängeverlusten etwa 3.000 lbf an der Stange, und der Gestängesteller wandelt dies in Drehmoment am S-Nocken um. Wer noch nicht weiß, welche Größe eine Achse benötigt, findet Grundlagen unter Bremszylindergrößen erklärt.

Bei einer Kombieinheit werden die beiden Werte als Betriebs-/Federspeicherwert geschrieben:

  • 30/30 – Betriebsbremszylinder Typ 30 plus Federspeicher Typ 30.
  • 24/30 – Betriebsbremszylinder Typ 24 plus Federspeicher Typ 30. Gleiche Feststellkraft, geringere Betriebsbremskraft. Eingesetzt, wenn Achslast oder Bremskraftverteilung eine kleinere Betriebsseite verlangen.
  • 36/36 – für schwerere Anwendungen, einige Sonderfahrzeuge und Geländeachsen.

Die Federspeicherseite skaliert nicht mit dem Luftdruck. Ihre Kraft ist durch die Kraftfeder selbst festgelegt, üblicherweise im Bereich von 1.800 bis 2.300 lbf Stangenkraft, je nach Hersteller und Federauslegung. Das ist ein Richtwert – die Herstellerangaben für das jeweilige Teil sind maßgeblich. Die Feder wird durch Luft komprimiert gehalten; entweicht die Luft, löst sie aus.

Wie sich die Federseite verhält

Ein Nutzfahrzeug-Druckluftbremssystem ist pneumatisch, nicht hydraulisch – alles läuft über komprimierte Luft. Der Regler schaltet den Kompressor normalerweise bei etwa 120 bis 135 psi ab und bei etwa 100 bis 110 psi wieder zu, sodass ein intaktes System bei voller Ladung nahe 120 psi liegt. Bei diesem Druck hält Luft im Federspeicherzylinder die Kraftfeder komprimiert und die Feststellbremse gelöst.

Fällt der Druck im Feststellkreis, beginnt die Feder, die dahinterliegende Luft zu überwinden. In der Praxis beginnen Federspeicher typischerweise bei etwa 40 bis 45 psi zu schleifen und sind bei rund 20 bis 30 psi vollständig eingefallen. Genau deshalb ertönt die Niederdruckwarnung bei etwa 60 psi: Sie gibt dem Fahrer Zeit, kontrolliert anzuhalten, bevor die Feststellbremsen sich selbst betätigen. Der vollständige Ablauf wird unter wie Federspeicher und Feststellbremse funktionieren beschrieben.

30/30 im Vergleich zu einem einfachen Typ 30

Reiner Betriebsbremszylinder im Vergleich zum 30/30 Federspeicherzylinder
MerkmalTyp 30 (nur Betriebsbremse)30/30 Federspeicher
TeileEins – Membran und DruckstangeZwei – Betriebsbremsteil plus angeschraubtes Federspeichergehäuse
LuftanschlüsseEin BetriebsanschlussBetriebsanschluss und separater Feststell-/Notanschluss
FeststellbremseKeineJa, mechanisch über Kraftfeder
Typischer EinbauortLenkachse, andere Achsen ohne FeststellfunktionAntriebsachsen, Anhängerachsen, Nachlauf- oder Liftachsen mit Feststellfunktion
GesamtlängeKürzerDeutlich länger – Rahmen- und Fahrwerksfreiraum prüfen
LöseschraubstiftEntfälltSpannschraube im Lieferumfang

Die beiden sind ohne Anpassung der Leitungsführung nicht austauschbar. Ein Typ 30 hat keinen Feststellanschluss – wird er dort verbaut, wo zuvor ein 30/30 saß, bleibt diese Achse ohne Feststell- und Notbremse – ein sofortiger Stilllegungsgrund.

Hubangaben: Standard, lang und erweitert

Der Hub ist die Strecke, die die Druckstange zurücklegen kann, bevor die Membran keinen nutzbaren Bewegungsspielraum mehr hat. Überschreitet die Stange den zulässigen Hub, fällt die Bremskraft deutlich ab, obwohl sich das Pedal für den Fahrer normal anfühlt – deshalb wird der Hub bei der Inspektion gemessen und nicht nach Gefühl beurteilt.

Referenztabelle Hub und Nachstellung für Bandschellen-Zylinder
ZylinderZulässiger (maximaler) HubNachstellgrenze
Typ 24, Standardhub2-1/4 Zoll1-3/4 Zoll
Typ 24, Langhub2-1/2 Zoll2 Zoll
Typ 30, Standardhub2-1/2 Zoll2 Zoll
Typ 30, Langhub3 Zoll2-1/2 Zoll

Vor jeder Beurteilung immer die aktuelle Prüftabelle für die Straßenkontrolle oder die Herstellerangaben des Fahrzeugs heranziehen. Langhub-Einheiten bieten mehr Reservehub bei Belagverschleiß, viele Flotten setzen standardmäßig darauf. Erweiterte Hubvarianten gibt es für bestimmte Fahrgestelle, aber sie sind kein kostenloses Upgrade – Halterung, Druckstangenlänge und Freiraum müssen passen.

Erkennen, was bereits verbaut ist

  1. Gehäuse ablesen. Typ und Hub sind meist auf dem Spannring der Betriebsseite oder am Gehäuse geprägt oder als Etikett angebracht.
  2. Lufteinlässe ansehen. Bei vielen Marken deuten eckige oder trapezförmige Anschlussstutzen auf einen Langhub-Zylinder hin, runde Anschlüsse auf Standardhub. Das ist ein starker Hinweis, kein Beweis.
  3. Spannband und Gesamtform prüfen. Langhub-Einheiten sind etwas tiefer als ihre Standardhub-Pendants.
  4. Tatsächlichen Hub messen bei voll geladenem System und einer Betätigung mit 90 bis 100 psi, indem die Stange im Ruhezustand und bei voller Betätigung markiert wird.

Den richtigen 30/30 bestellen

Vor dem Kauf festlegen:

  • Hub – Standard oder lang. Unterschiedliche Hübe an einer Achse ruinieren die Bremskraftverteilung.
  • Druckstangenlänge und Gewinde – Zylinder werden in mehreren Stangenlängen geliefert, und die Gabel muss in das richtige Loch des Gestängestellers passen.
  • Befestigungsbolzen – Bolzengröße, Abstand und Länge müssen zur Halterung passen.
  • Anschlussausrichtung (Verdrehung) – das Federgehäuse lässt sich meist drehen, um die Leitungen sauber zu führen; manche Einheiten sind bereits achsspezifisch vorausgerichtet.
  • Gedichtet oder wartbar – gedichtete Einheiten widerstehen Wasser- und Salzeintritt besser, wartbare erlauben einen Membranwechsel.
  • Links, rechts oder universell – viele sind universell, aber nicht alle.

Federspeicher achsweise paarweise ersetzen. Ein neuer Zylinder auf einer Seite und ein verschlissener auf der anderen ist eine klassische Ursache für Ziehen beim Bremsen. Wer OE-Nummern querverweisen möchte: Der Katalog für Druckluftbremssystem-Komponenten von VADEN listet Zylinder und Bremssystemteile nach den gängigen OE-Referenzen europäischer und nordamerikanischer Hersteller.

Niemals ein Federspeichergehäuse aufschneiden, aufschweißen oder aufschrauben. Die Kraftfeder speichert genug Energie, um tödlich zu sein. Vor dem Ausbau mit dem mitgelieferten Löseschraubstift sichern und gebrauchte Einheiten gemäß Herstellerangaben entsorgen.

Das Sicherungsverfahren selbst wird unter wie man einen Bremszylinder sichert beschrieben. Nach dem Einbau den Gestängesteller einstellen, den Hub auf beiden Achsseiten messen und vor der Fahrt einen vollständigen Dichtheits- und Bremsdrucktest durchführen.

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Veröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet 30/30 bei einem Bremszylinder?
Die erste 30 steht für die wirksame Membranfläche des Betriebsbremsteils in Quadratzoll; die zweite 30 für die nominelle Fläche des Federspeicherteils (Feststell- und Notbremse). Beide Hälften sind in einem Huckepack-Gehäuse vereint.
Ist ein 30/30 dasselbe wie ein Typ 30?
Nein. Ein einfacher Typ 30 ist reine Betriebsbremse mit nur einem Luftanschluss, während ein 30/30 zusätzlich einen Federspeicherteil mit zweitem Feststellanschluss für Feststell- und Notbremsung besitzt.
Was ist der Unterschied zwischen 24/30 und 30/30?
Beide nutzen die gleiche Federspeichergröße, aber der 24/30 hat einen kleineren Betriebsbremszylinder Typ 24, erzeugt also bei gleichem Druck weniger Betriebsbremskraft. Verbaut wird jeweils, wofür die Achse ausgelegt wurde.
Wie erkenne ich, ob mein 30/30 Langhub ist?
Zuerst die Prägung oder das Etikett am Gehäuse prüfen. Bei vielen Marken deuten eckige oder trapezförmige Lufteinlässe ebenfalls auf Langhub hin, runde Anschlüsse auf Standardhub. Bestätigung durch Messung des tatsächlichen Druckstangenhubs bei einer Betätigung mit 90 bis 100 psi.
Bei welchem Druck lösen die Federspeicher in einem 30/30 aus?
Sie beginnen typischerweise bei etwa 40 bis 45 psi zu schleifen und sind bei rund 20 bis 30 psi vollständig eingefallen. Die Niederdruckwarnung bei etwa 60 psi ist das Signal, vorher anzuhalten.
Kann ich nur einen 30/30 an einer Achse ersetzen?
Es ist deutlich besser, sie paarweise zu ersetzen. Ein neuer Zylinder gegenüber einem verschlissenen führt zu ungleichem Drehmoment und Ziehen beim Bremsen.