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ALB-Ventil: Bremskraft an die Achslast anpassen

Das ALB-Ventil erkennt, wie stark eine Achse beladen ist, und passt den Bremsdruck entsprechend an, damit ein leerer Anhänger gerade bremst statt mit blockierten Rädern zu schleudern.

Geprüft von VADEN Original 5 Min. LesezeitAktualisiert
ALB-Ventil: Bremskraft an die Achslast anpassen

Ein lastabhängiger Bremskraftregler – gebräuchlich als ALB-Ventil bezeichnet – oder LSV, reduziert automatisch den an die Bremszylinder einer Achse gelieferten Luftdruck, wenn diese Achse nur leicht beladen ist, und lässt nahezu vollen Druck durch, wenn sie beladen ist. Es sitzt stromab des Bremsventils und speist das Relaisventil oder direkt die Bremszylinder, an der Hinterachse eines Lkw oder Busses, oder an einem Anhänger. Sein Zweck ist es, die Bremswirkung proportional zum tatsächlich auf den Rädern lastenden Gewicht zu halten, damit ein leeres Fahrzeug nicht die Hinterräder blockiert und die Stabilität verliert. Bei konventionellen Systemen ist es ein rein pneumatisches Bauteil – ein hydraulischer Kreis ist nicht beteiligt.

Man kann es sich als variablen Druckbegrenzer vorstellen, der seine Vorgaben von der Federung erhält. Ein Dreiachs-Anhänger kann beladen über 20 Tonnen wiegen und leer nur wenige Tonnen, dennoch sind Bremszylinder, Gestängesteller und Bremstrommeln alle für den Beladungsfall ausgelegt. Ohne Lastabhängigkeit würde dieselbe Pedalbetätigung, die bei Gesamtgewicht eine kontrollierte Bremsung ergibt, die Reifen dieses Anhängers im Leerzustand blockieren.

Wie das Ventil die Last erfasst

Drei Bauarten sind im Einsatz. Bestimmen Sie, welche vorliegt, bevor Sie etwas anfassen.

TypWie die Last erfasst wirdTypische AnwendungHäufiger Defekt
Mechanischer ALBGestängestange mit Feder- oder Gummizugelement vom Ventilhebel zur Achse oder zum Federauge; die Federungsbewegung bewegt den HebelBlattgefederte Lkw und Anhänger, Kipper, ältere FahrzeugeFestsitzender Hebel, verbogene oder fehlende Gestängestange, korrodierte Kugelgelenke, gebrochene Zugfeder
Pneumatischer ALB (Luftfederung)Eine Messleitung vom Luftbalg; der Balgdruck ist ein direktes Abbild der AchslastLuftgefederte Zugmaschinen, Anhänger, Reisebusse, StadtbusseGescheuerte oder geknickte Messleitung, nach einem Balgwechsel blockiert gebliebene Leitung, interne Membranleckage
Elektronische Lasterfassung (EBS)Balgdrucksensor speist den EBS-Modulator; kein mechanisches VentilModerne EBS-Zugmaschinen und -AnhängerSensor- oder Verkabelungsfehler wird als Fehlercode gespeichert, meist mit Rückfall auf Beladen-Stellung

Bei einer Luftfederungsanlage arbeiten der ALB und das Niveauregelventil der Luftfederung vom selben physischen System aus, sodass ein Fahrhöhenproblem oder ein undichter Balg auch die Bremsverteilung neben der Niveauregelung durcheinanderbringt.

Was das Ventil mit dem Druck macht

Das Ventil erzeugt keinen Druck; es drosselt, was der Fahrer anfordert. Bei Vollbremsung liegt der am ALB ankommende Steuerdruck typischerweise im Bereich von 100–120 psi (rund 7–8 bar), je nachdem, wie das System verrohrt ist und wie viel Behälterdruck das Bremsventil durchlässt. In Beladen-Stellung lässt der ALB diesen Druck mit geringer oder keiner Reduzierung durch. In Leer-Stellung begrenzt er den Ausgang auf einen Bruchteil davon – auf vielen Anhänger-Typenschildern liegt der Leer-Wert bei rund einem Drittel des beladenen Steuerdrucks, aber die genauen Eingangs-/Ausgangspaare sind modellspezifisch und auf dem ALB-Typenschild eingeprägt. Das Typenschild lesen, keine Zahl annehmen.

Zwischen leer und voll liefert das Ventil eine proportionale Kennlinie, sodass ein halb beladener Anhänger einen mittleren Ausgangsdruck erhält. Stromabwärts gibt das Relaisventil diesen reduzierten Druck an den Bremszylindern wieder.

Symptome eines defekten oder falsch eingestellten ALB

  • Blockieren und Flachstellen an den Reifen im Leerzustand. Der klassische Fehler mit ALB in Beladen-Stellung. Bei einem ABS-ausgestatteten Fahrzeug sind eventuell keine Bremsspuren sichtbar, aber das System takt bei leichten Bremsungen hart, und der Fahrer spürt es im Pedal.
  • Lange, schwache Bremsungen bei Beladung. Ventil klemmt in oder nahe Leer-Stellung und drosselt den Druck, wenn er am meisten gebraucht wird. Leicht als verschlissene Bremsbeläge oder falsch eingestellter Gestängesteller fehlgedeutet.
  • Anhänger oder Hinterachse leistet keine Arbeit. Vordere Beläge glasieren und verschleißen schnell, während hintere Beläge fast neu aussehen – ein starkes Indiz für eine falsche Verteilung.
  • Anhänger-Ausbrechen oder Einknicktendenz bei leichten Bremsungen im Leerzustand.
  • Hörbares Leck am Ventilkörper oder am Gestänge-Faltenbalg, was auf einen internen Membran- oder O-Ring-Defekt hinweist, der meist auch die Kennlinie verschiebt.
  • Verbogenes, getrenntes oder festgebundenes Gestänge, häufig bei Kippern und Baustellenanhängern, deren Stange Schläge durch Schutt abbekommt.

Wie man einen lastabhängigen Bremskraftregler prüft

  1. Räder unterlegen und System auf Volldruck bringen – Regler-Abschaltung, typischerweise um 120–135 psi, mit einem voll geladenen Betriebsdruck nahe 120 psi.
  2. Das ALB-Typenschild finden und reinigen. Den geforderten Ausgangsdruck für jeden angegebenen Steuerdruck notieren, sowohl in Beladen- als auch in Leer-Hebelstellung.
  3. Kalibrierte Prüfmanometer am Steuer- (Eingangs-) und Ausgangsanschluss anbringen. Bei Anhängern die Steuerleitung über eine handgesteuerte Betätigung oder einen Prüfstand speisen statt Pedalweg zu schätzen.
  4. Zuerst den Lasteingang prüfen. Mechanisch: den Hebel über den vollen Weg bewegen und sicherstellen, dass der Arm frei schwingt, ohne Klemmen, kein Spiel in den Kugelgelenken und ein intaktes Zugelement. Pneumatisch: prüfen, dass die Balg-Messleitung angeschlossen, nicht verstopft und bei korrekter Fahrhöhe unter dem richtigen Druck steht.
  5. Bei unbeladenem Fahrzeug und korrekter Fahrhöhe volle und teilweise Bremsungen ausführen und den Ausgangsdruck mit den Typenschildwerten vergleichen.
  6. Den Hebel bewegen oder den vom Typenschild vorgegebenen simulierten Balgdruck anlegen, um die Beladen-Stellung zu prüfen, und wiederholen. Der Ausgangsdruck sollte nun dem Eingang eng folgen.
  7. Sicherstellen, dass das Ventil beim Lösen vollständig und zügig entlüftet. Ein träges Lösen zeigt sich als schleifende, überhitzende Bremsen.

Bei vielen Fahrzeugen ist die ALB-Einstellung ein gesetzlich vorgeschriebener Bremsparameter, keine Ermessensfrage. Nur nach den Herstellervorgaben des Typenschilds einstellen, unbeladen, bei korrekter Fahrhöhe, und die Messwerte dokumentieren. Fehlt das Typenschild oder ist es unleserlich, die korrekten Daten vor Abschluss der Arbeit beim Fahrzeughersteller einholen.

Austausch, und was gleichzeitig zu prüfen ist

Die meisten ALB-Defekte sind entweder mechanischer Verschleiß am Gestänge oder interne Dichtungsalterung, beides eher altersbedingt als laufleistungsbedingt. Ist das Gehäuse korrodiert, der Hebel festgefressen, oder stimmt der Ausgang nach korrekter Einstellung immer noch nicht mit dem Typenschild überein, das Ventil ersetzen – diese Einheiten sind nicht für eine Feldinstandsetzung gedacht. Gleich zu gleich nach Teilenummer ersetzen, denn die interne Kennlinie unterscheidet sich zwischen äußerlich identischen Modellen. VADEN Original liefert OE-Qualitäts-ALB-Ventile für Lkw und Anhänger, kreuzreferenziert zu den wichtigsten OE-Nummern.

Solange das Ventil ausgebaut ist, die Umgebungsarbeiten erledigen: eine neue Gestängestange und Gelenke statt verschlissener Teile einbauen, eine gescheuerte pneumatische Messleitung ersetzen, Bremszylinder und Stößelweg prüfen und den Gestängesteller-Hub an der betroffenen Achse verifizieren. Ein perfekt nach Typenschild eingestellter ALB kann eine verstellte Grundbremse nicht ausgleichen, und eine gut eingestellte Grundbremse blockiert dennoch eine leere Achse, wenn die Lasterfassung ausgefallen ist. Nach der Arbeit, wenn möglich, bei leichter und schwerer Beladung eine Probefahrt durchführen und die Belagtemperatur über die Achsen hinweg gleichmäßig prüfen.

Hinweis zur regionalen Praxis

Lastabhängige Bremskraftregler sind bei Lkw, Bussen und Anhängern europäischer Spezifikation nahezu universell, wo eine lastabhängige Bremskraftverteilung und ein Typenschild als Nachweis der Einstellung vorgeschrieben sind. In Nordamerika wird die Lastanpassung häufiger über Bremsdimensionierung plus ABS gelöst, sodass ein Techniker, der zwischen Flotten wechselt, nicht unbedingt einen ALB erwartet – aber luftgefederte Anhänger, Busse und importierte Fahrzeuge haben durchaus welche, und ein ignorierter ALB an einem solchen Fahrzeug wird zu einem Mangel bei der Fahrzeugprüfung und einem Reifenkostenproblem.

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Häufig gestellte Fragen

Wofür steht ALB an einem Bremsventil?
ALB steht für automatisch-lastabhängiger Bremskraftregler und wird austauschbar mit "lastabhängiges Bremsventil" oder LSV verwendet. Es ist das Ventil, das den Bremsdruck je nach Achsbelastung anpasst.
Kann ich mit einem defekten ALB-Ventil weiterfahren?
Nein. Ein Ventil, das in Leer-Stellung klemmt, liefert bei Beladung gefährlich reduzierte Bremswirkung, und ein in Beladen-Stellung klemmendes Ventil blockiert die Räder und erzeugt Flachstellen im Leerzustand. Beide Zustände sind ein Bremsmangel und in der Regel bei der Prüfung ein Grund zur Stilllegung.
Wo befindet sich das ALB-Ventil?
Meist am Rahmenlängsträger nahe der Hinterachse oder am Anhängerrahmen, entweder mit einer Gestängestange zur Achse oder einer kleinen Leitung zum Luftbalg. Bei Anhängern sitzt es oft nahe dem Relaisventil, das es speist.
Woran erkenne ich, ob der ALB korrekt eingestellt ist?
Den gemessenen Ausgangsdruck mit den Eingangs- und Ausgangswerten auf dem Typenschild des Ventils vergleichen, bei unbeladenem Fahrzeug und korrekter Fahrhöhe, dann mit dem Hebel in Beladen-Stellung wiederholen. Jede Abweichung außerhalb der Typenschildtoleranz bedeutet, dass eingestellt oder ersetzt werden muss.
Haben EBS-Lkw und -Anhänger noch ein lastabhängiges Bremsventil?
Keinen mechanischen ALB. EBS erfasst den Balgdruck mit einem elektronischen Sensor, und der Modulator verteilt den Druck selbst. Ein Sensor- oder Verkabelungsfehler wird als Fehlercode gespeichert und erzwingt meist einen Rückfall auf Beladen, sodass ein leeres Fahrzeug zum Blockieren neigen kann.
Ist ein lastabhängiges Bremsventil dasselbe wie ein Proportionalventil?
Beide begrenzen den Druck an einer Achse, aber ein festes Proportional- oder Druckbegrenzungsventil wendet immer dieselbe Reduzierung an, während ein ALB seine Reduzierung kontinuierlich mit der tatsächlichen Achslast variiert. Dieses variable Verhalten macht es über leere und volle Gewichte hinweg funktionsfähig.