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Fahrerwissen (CDL)

Australiens Bremsvorschriften für Nutzfahrzeuge: Was Prüfer kontrollieren

Ein praktischer Leitfaden zur Bremsenregulierung in Australien – ADR-Baustandards, HVNL- und NHVR-Betriebsvorschriften, Prüfkriterien der Inspektoren und Mängel, die einen Lkw stilllegen.

Geprüft von VADEN Original 5 Min. LesezeitAktualisiert
Australiens Bremsvorschriften für Nutzfahrzeuge: Was Prüfer kontrollieren

Bremsen an Nutzfahrzeugen werden in Australien auf zwei Ebenen geregelt. Die Australian Design Rules (ADRs) legen fest, wie ein Lkw, Bus oder Anhänger gebaut sein muss, und das Heavy Vehicle National Law (HVNL) – verwaltet vom National Heavy Vehicle Regulator (NHVR) – legt fest, in welchem Zustand es im Betrieb bleiben muss. Für die tägliche Verkehrssicherheit ist das wichtigste Dokument das National Heavy Vehicle Inspection Manual (NHVIM), nach dem befugte Prüfer bei Jahreshauptuntersuchungen und Straßenkontrollen arbeiten.

Wer einen Lkw, Bus oder Anhänger über 4,5 Tonnen GVM betreibt, für den gilt all das – und im Rahmen der Chain-of-Responsibility-Pflichten (CoR) gilt es auch für Personen, die das Fahrzeug beladen, disponieren und warten, nicht nur für den Fahrer.

Wer die Regeln festlegt

  • Australian Design Rules (ADRs) – nationale Baustandards. ADR 35 betrifft Bremsanlagen von Nutzfahrzeugen; ADR 38 betrifft Bremsanlagen von Anhängern. Sie legen Bremsleistung, Feststellbremsfähigkeit, Warneinrichtungen und in späteren Versionen vorgeschriebenes ABS fest.
  • Heavy Vehicle National Law (HVNL) – das Betriebsgesetz für Verkehrssicherheit, Wartung, Mängel und CoR. Es gilt in NSW, VIC, QLD, SA, TAS und ACT, wobei Western Australia und das Northern Territory eigene, eng angelehnte Regelungen führen.
  • NHVR – die Aufsichtsbehörde, die das NHVIM veröffentlicht, über befugte Prüfer Mängelbescheide ausstellt und das National Heavy Vehicle Accreditation Scheme (NHVAS) betreibt.
  • VSB 6 – der nationale Verhaltenskodex für Umbauten an Nutzfahrzeugen. Jede Änderung an der Bremsanlage (Achstausch, Radstandänderung, Umbau der Radbremsen) muss von einem zugelassenen Fahrzeugprüfer nach dem entsprechenden VSB-6-Kodex zertifiziert werden.

ABS ist bei neuen Nutzfahrzeugen und Anhängern nach den späteren Versionen von ADR 35 und ADR 38 vorgeschrieben, eingeführt etwa Ende der 2010er-Jahre zunächst für neue Modelltypen und dann für alle Neubauten. Da die Stichtage von Fahrzeugklasse und Baudatum abhängen, sollte man das Zulassungsschild prüfen statt es anzunehmen – eine ältere Zugmaschine mit neuem Anhänger kann unterschiedliche Ausstattung haben.

ADR versus NHVIM: zwei verschiedene Prüfungen

Ein ADR ist ein Typgenehmigungsstandard, den der Hersteller bei der Fertigung zertifiziert. Das NHVIM ist ein Betriebsstandard: Es fragt nicht, ob das Fahrzeug noch seine ursprüngliche ADR-Leistung erreicht, sondern ob die Bremsen innerhalb der Verschleiß-, Nachstell-, Leckage- und Funktionsgrenzen liegen, die das Fahrzeug heute verkehrssicher machen.

Ein 15 Jahre alter Kipper braucht also kein ABS, um die Prüfung zu bestehen – aber seine Radbremsen, die Druckluftanlage und die Feststellbremse müssen die aktuellen Betriebsgrenzen einhalten.

Was ein Prüfer tatsächlich kontrolliert

Häufige Bremsenpunkte, die nach dem NHVIM bewertet werden
BereichWas geprüft wirdTypische Ausfallursache
LuftversorgungKompressor baut Druck auf und hält ihn; Regler schaltet korrekt ab und einLangsamer Druckaufbau, Kompressor pumpt Öl, Regler klemmt
LeckageStatischer und angelegter Luftverlust über einen festgelegten Zeitraum, Motor ausUndichte Bremszylinder, Verschraubungen, Kupplungskopfdichtungen, Ventile
WarneinrichtungenNiederdruckwarnleuchte und akustischer Alarm lösen beim vorgeschriebenen Druck ausDefekter Summer, ausgefallener Druckschalter, funktionsloses Manometer
DruckluftbehälterSichere Befestigung, funktionierende Entwässerungsventile, keine äußere Korrosion oder SchädenWasser in den Behältern, festsitzende Entwässerungshähne, gerissene Halterungen
RadbremsenStößelhub innerhalb der Grenzwerte, Belagdicke über dem Verschleißlimit, Zustand von Trommel oder ScheibeFalsch eingestellte Bremsen, Belag unter dem Limit, gerissene Trommeln
Bremszylinder und FedernKeine Risse, Korrosion oder Undichtigkeiten; Federspeicherbremsen lösen und haltenGerissene Membran, beschädigtes Federspeichergehäuse
LeitungenSchläuche und Rohre nicht scheuernd, geknickt, hitzegeschädigt oder provisorisch repariertScheuernde Leitungen, unsachgemäße Reparaturen, fehlende Klemmen
KombinationssteuerungVersorgungs- und Notbremsfunktion des Anhängers, Zugmaschinenschutz, FeststellbremsintegritätAnhänger bremst nicht, wenn die Versorgungsleitung unterbrochen wird
LeistungWirksamkeit von Betriebs- und Feststellbremse, oft per Rollenbremsprüfstand oder VerzögerungsmesserUngleichgewicht an einer Achse, unzureichende Haltekraft der Feststellbremse

Druckwerte, an denen man sich orientiert

Australien rechnet in Kilopascal, aber die Druckluftkomponenten sind auf denselben weltweit üblichen Betriebsbereich ausgelegt. Dies sind typische Betriebsbereiche, keine gesetzlichen Grenzwerte – die Herstellerangabe für das jeweilige Fahrzeug hat immer Vorrang.

Typische Betriebsdrücke der Druckluftbremsanlage
FunktionkPa (ca.)psi (ca.)
Reglerabschaltdruck830–930120–135
Reglereinschaltdruck690–760100–110
Normaler Betrieb bei voller Füllungca. 830ca. 120
Niederdruckwarnung aktiviertca. 415ca. 60
Federspeicherbremsen beginnen einzufallen140–31020–45

Wenn der Regler mit zu niedrigem Druck abschaltet oder das System nach wiederholten Betätigungen ungewöhnlich lange zur Erholung braucht, sollte man das zunächst als Versorgungsseiten-Fehler behandeln, bevor man die Radbremsen verdächtigt. Siehe Luftpresser baut keinen Druck auf für die richtige Diagnosereihenfolge.

Bremsnachstellung: der häufigste Mangel

Falsch eingestellte Bremsen sind der häufigste Bremsmangel bei australischen Nutzfahrzeugen, ebenso wie in Europa und Nordamerika. Automatische Gestängesteller sind praktisch bei jeder modernen Ausrüstung verbaut, aber ein automatischer Steller, der aufgehört hat nachzustellen, gilt weiterhin als falsch eingestellt – und ihn von Hand nachzustellen, um eine Prüfung zu bestehen, verdeckt ein defektes Bauteil, statt es zu reparieren.

Muss ein automatischer Gestängesteller manuell nachgestellt werden, um den Hub wieder in den Grenzwertbereich zu bringen, liegt ein Fehler am Steller oder an der Radbremse vor. Das Nachstellen ist eine vorübergehende Maßnahme, keine Reparatur.

Den angelegten Stößelhub bei ausgeschaltetem Motor messen, System auf normalen Betriebsdruck gefüllt (etwa 620–690 kPa, 90–100 psi), Federspeicherbremsen gelöst und eine volle Betriebsbremsung ausgeführt. Das Ergebnis mit dem Grenzwert für die jeweilige Bremszylindergröße vergleichen, nicht mit einem einzigen allgemeinen Wert. Unsere Tabelle der Bremsnachstellgrenzen listet Hubgrenzwerte nach Bremszylindertyp und -größe auf.

Mängelbescheide und Stilllegung

Befugte Prüfer können je nach Schweregrad abgestufte Maßnahmen verhängen:

  1. Formelle Verwarnung – ein geringfügiges Problem wird vermerkt, mit der Erwartung, dass es behoben wird.
  2. Geringfügiger Mängelbescheid – das Fahrzeug kann meist weiterbetrieben werden, der Mangel muss aber innerhalb einer festgelegten Frist behoben und abgenommen werden.
  3. Schwerer Mängelbescheid – bei erheblichen Sicherheitsrisiken. Das Fahrzeug kann sofort stillgelegt oder auf eine direkte Fahrt zu einer Werkstatt beschränkt werden, und es muss vor der Rückkehr in den regulären Betrieb durch eine befugte Prüfung abgenommen werden.

Bremsmängel fallen überproportional häufig in die schwere Kategorie, da ein Bremsfehler an einem beladenen Fahrzeugzug nicht bis zur nächsten planmäßigen Wartung warten kann.

Prüfregime nach Bundesstaat

Der Betriebsstandard ist national einheitlich, aber wann geprüft wird, variiert weiterhin. New South Wales verlangt eine jährliche Nutzfahrzeugprüfung zur Zulassungsverlängerung, Queensland nutzt ein jährliches Prüfzertifikat, andere Bundesstaaten wenden Prüfungen bei Zulassung, Übertragung oder periodisch an. Western Australia und das Northern Territory führen eigene Prüfregelungen.

Unter dem NHVAS-Wartungsmanagementmodul akkreditierte Betreiber können in manchen Bundesstaaten ihr eigenes dokumentiertes Wartungssystem anstelle der standardmäßigen periodischen Prüfung nutzen – das gilt aber nur, wenn die Aufzeichnungen tatsächlich existieren und die planmäßigen Bremsenkontrollen durchgeführt und abgezeichnet werden.

Was das für die Werkstatt bedeutet

System vollständig füllen, einen zeitgesteuerten Lecktest bei ausgeschaltetem Motor durchführen, Warnleuchte und Summer prüfen, den Stößelhub an jedem Radende messen statt nur zwei stichprobenartig zu schätzen, und Beläge und Trommeln auf Verschleiß und Risse prüfen statt sich allein auf eine Verschleißanzeige zu verlassen. Ein strukturierter Rundgang nach derselben Logik wie eine Druckluftbremsen-Abfahrtskontrolle erfasst das meiste, was ein Prüfer finden würde, bevor es zu einem Mängelbescheid wird.

Auch die Unterlagen aufbewahren. Im Rahmen von CoR ist der Nachweis, dass die Bremsenwartung geplant, durchgeführt und dokumentiert wurde, ebenso Teil der Compliance wie der Zustand der Hardware selbst.

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Häufig gestellte Fragen

Wer reguliert Bremsen an Nutzfahrzeugen in Australien?
Die NHVR verwaltet das Heavy Vehicle National Law in NSW, VIC, QLD, SA, TAS und ACT, während WA und das NT eng angelehnte eigene Landesgesetze führen. Baustandards stammen aus den nationalen Australian Design Rules.
Was ist das NHVIM?
Das National Heavy Vehicle Inspection Manual ist der Betriebsstandard, nach dem Prüfer entscheiden, ob ein Nutzfahrzeug verkehrssicher ist. Es legt die Verschleiß-, Nachstell-, Leckage- und Funktionsgrenzen fest, die bei Jahres- und Straßenkontrollen bewertet werden.
Brauchen ältere australische Lkw ABS, um die Prüfung zu bestehen?
Nein. ABS-Anforderungen ergeben sich aus der Version von ADR 35 oder ADR 38, nach der das Fahrzeug gebaut wurde, sodass ein Fahrzeug, das vor Geltung dieser Bestimmungen gebaut wurde, nicht nachgerüstet werden muss. Vorhandenes ABS muss aber korrekt funktionieren.
Mit welchem Luftdruck sollte ein australischer Lkw fahren?
Typische Werte sind ein Reglerabschaltdruck von 830–930 kPa (120–135 psi) und ein Einschaltdruck von 690–760 kPa (100–110 psi), mit normalem Betriebsdruck um 830 kPa (120 psi) und Aktivierung der Niederdruckwarnung bei etwa 415 kPa (60 psi). Immer die Herstellerangabe für das jeweilige Fahrzeug befolgen.
Was ist der häufigste Bremsmangel bei australischen Nutzfahrzeugen?
Falsch eingestellte Radbremsen, meist verursacht durch einen automatischen Gestängesteller oder ein Radende, das nicht mehr korrekt nachstellt. Den Steller manuell wieder in den Grenzwertbereich zu drehen, verdeckt den Mangel, statt ihn zu beheben.
Was passiert bei einem schweren Mängelbescheid wegen der Bremsen?
Das Fahrzeug kann sofort stillgelegt oder auf eine direkte Fahrt zu einer Werkstatt beschränkt werden, und es darf erst wieder regulär betrieben werden, wenn der Mangel behoben und durch eine befugte Prüfung abgenommen wurde.
Kann eine NHVAS-Akkreditierung eine jährliche Nutzfahrzeugprüfung ersetzen?
In manchen Bundesstaaten können unter dem NHVAS-Wartungsmanagementmodul akkreditierte Betreiber ihr dokumentiertes Wartungssystem anstelle der standardmäßigen periodischen Prüfung nutzen. Das gilt nur, wenn die planmäßigen Bremsenkontrollen tatsächlich durchgeführt und dokumentiert werden.