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Komponenten erklärt

Druckluftbremsventile: Jeder Typ im System und seine Funktion

Eine Ventil-für-Ventil-Übersicht des Druckluftbremssystems eines Nutzfahrzeugs, vom Fußbremsventil bis zum Federspeicherventil am Rahmenlängsträger.

Geprüft von VADEN Original 5 Min. LesezeitAktualisiert

Ein Druckluftbremssystem ist eine Kette pneumatischer Ventile, die Druckluft zwischen Kompressor und Bremskammern speichern, leiten, dosieren und ablassen. Die Hauptarten sind Steuerventile (Fuß-/Bremsventil, Anhänger-Handbremsventil, Armaturenbrett-Steuerventile), Relais- und Schnelllöseventile, die Bremsung und Lösen beschleunigen, Schutzventile (Rückschlag-, Mehrkreisschutz-, Anhängerschutz-, Druckschutz- und Sicherheitsventil), Druckregelventile (Regler und Kompressor-Entlastungsventil) sowie Modulationsventile (Begrenzungs-, lastabhängige, Inversions- und Anti-Compounding-Ventile). Jedes Ventil an einem LKW erfüllt eine von drei Aufgaben: Es leitet Luft irgendwohin, es blockiert Luft irgendwohin, oder es entlüftet Luft in die Atmosphäre.

Nichts davon funktioniert wie eine hydraulische Pkw-Bremse. Es gibt keine abgedichtete Flüssigkeitssäule, die Kraft vom Fuß zum Radende überträgt. Dein Fuß öffnet nur ein Ventil; gespeicherte Luft in den Tanks leistet die eigentliche Arbeit, und die Ventilanordnung sorgt dafür, dass diese Luft an allen vier oder sechs Radenden nahezu gleichzeitig ankommt.

Die Kurzübersicht: Ventil für Ventil

Gängige Druckluftbremsventile, ihr Einbauort und ihr Ausfallbild
VentilEinbauortFunktionTypisches Ausfallsymptom
Fußbremsventil (Zweikreis-/Kombiventil)Kabinenboden, unter dem PedalDosiert Luft aus beiden Kreisen proportional zur PedalkraftLeck an der Entlüftungsöffnung, Bremsen schleifen, ungleiche Kreisversorgung
RelaisventilHinterachse oder Anhänger, nahe den KammernNutzt eine kleine Signalleitung, um einen großen lokalen Luftweg zu öffnenLangsames Bremsen oder Lösen, Bremsen bleiben hängen
SchnelllöseventilLenkachse, nahe den KammernEntlüftet Kammerluft lokal statt über das Fußventil zurückVordere Bremsen lösen langsam, hörbares Leck an der Entlüftung
Rückschlagventil (Einweg)Zwischen Nasstank und BetriebsbehälternLässt Luft hinein, verhindert, dass eine nachgeschaltete Leckage stromaufwärts entleertGesamtes System verliert Luft, wenn ein Tank leckt
MehrkreisschutzventilHinter dem LufttrocknerTeilt die Versorgung in primären, sekundären, Feststell- und ZubehörkreisEin Kreisausfall zieht die anderen mit herunter
AnhängerschutzventilHinteres Ende des ZugmaschinenrahmensIsoliert die Zugmaschine bei Verlust der AnhängerluftZugmaschine entleert sich, wenn eine Kupplungskopf-Verbindung reißt
DruckschutzventilZubehörabgriff (Federung, Sitz, Horn)Sperrt Zubehör unterhalb eines Grenzdrucks, damit die Bremsen zuerst Luft erhaltenLuftfederung entzieht den Bremskreisen Luft
ReglerAm oder nahe dem KompressorLegt Abschalt- und Einschaltdruck fest, signalisiert das EntlastungsventilKompressor entlastet nie, oder schaltet viel zu früh ab
EntlastungsventilKompressorkopf oder eigener EntlastungssatzHält den Einlass offen, damit der Kompressor unbelastet leerläuftStändiges Pumpen, heißer Kompressor, Ölübertrag
Federspeicher-(Feststell-/Notbrems-)VentilRahmenlängsträger, versorgt den FeststellkreisLädt und löst Federspeicherbremsen, legt sie bei Luftverlust anFeststellbremse löst nicht oder schleift
SicherheitsventilNasstankBläst ab, wenn der Druck eine sichere Obergrenze übersteigt, meist um 150 psiStändiges Entlüften aus dem Tank, undichter Sitz

Steuerventile: Wo Fahrereingabe in den Kreis gelangt

Das Fuß- oder Bremsventil ist ein Zweikreisventil in einem Gehäuse. Der Primärteil versorgt einen Kreis direkt; der Sekundärteil wird vom Primärteil abgeleitet, sodass bei Ausfall eines Kreises am anderen weiterhin gebremst werden kann. Pedalweg und -kraft bestimmen den Ausgangsdruck, weshalb sich ein Druckluftbremspedal progressiv statt fest anfühlt.

Das Anhänger-Handbremsventil an der Lenksäule betätigt nur die Anhänger-Betriebsbremsen. Es dient zum Testen und zur Kontrolle bei niedriger Geschwindigkeit, nicht dazu, einen beladenen Zug am Gefälle zu halten. Die Armaturenbrett-Steuerventile sind die beiden Zieh-Drück-Knöpfe: die gelbe Raute löst die Federspeicherbremsen der Zugmaschine, das rote Achteck versorgt den Anhänger mit Luft. Hineindrücken zum Laden, herausziehen zum Feststellen oder um die Anhängerversorgung abzulassen.

Relais- und Schnelllöseventile: Geschwindigkeit, nicht Kraft

Bei einem LKW mit langem Radstand würde Luft, die den ganzen Weg von der Kabine bis zu den hinteren Kammern und zurück geleitet wird, das Bremsen und Lösen inakzeptabel langsam machen. Ein Relaisventil löst das: Das Fußventil sendet nur ein kleines Pilotsignal die Steuerleitung hinunter, und das Relaisventil öffnet einen kurzen, großvolumigen Weg vom nahegelegenen Tank zu den Kammern. Der Ausgangsdruck folgt dem Signal fast eins zu eins.

Ein Schnelllöseventil macht denselben Trick beim Lösen. In der Nähe der Kammern der Lenkachse montiert, entlüftet es die Kammerluft direkt in die Atmosphäre, statt sie die Leitung hinauf zurückzudrücken. Ein Anti-Compounding-Ventil gehört zur selben Familie und verhindert, dass sich die Betriebsbremsung und die Federspeicherkraft an einer Druckstange addieren, wenn ein Fahrer bei angelegter Feststellbremse das Pedal betätigt.

Schutzventile: Einen Ausfall eingrenzen

Moderne LKW müssen gesetzlich auch nach dem Ausfall eines einzelnen Kreises weiterhin bremsen können, und Schutzventile machen das möglich. Rückschlagventile machen Luft einwegfähig, sodass ein geplatzter Schlauch stromabwärts nicht die stromaufwärts liegenden Tanks entleeren kann. Das Mehrkreisschutzventil teilt die Versorgung in primären, sekundären, Feststell- und Zubehörkreis mit jeweils eigenem Öffnungsdruck. Das Anhängerschutzventil schließt Betriebs- und Vorratsleitung zum Anhänger, wenn die Anhängerluft verloren geht, was die eigenen Behälter der Zugmaschine rettet, wenn ein Kupplungskopf abgerissen wird.

Faustregel: Entleert sich das gesamte System, wenn eine Komponente leckt, verdächtige zuerst ein Rückschlag- oder Schutzventil, bevor du die Leckstelle selbst verdächtigst.

Druckregelung: Regler und Entlastungsventil

Der Regler überwacht den Behälterdruck und entscheidet, wann der Kompressor arbeitet. Die Abschaltung liegt bei den meisten Nutzfahrzeugsystemen im Bereich 120–135 psi; die Einschaltung typischerweise bei 100–110 psi, sodass ein voll geladenes System bei etwa 120 psi liegt. Bei der Abschaltung sendet der Regler Luft an das Entlastungsventil des Kompressors, das den Einlass offen hält, damit der Kompressor dreht, ohne zu pumpen. Ein Regler, der nie das Entlasten signalisiert, lässt den Kompressor durchgehend pumpen, was die Druckleitung überhitzt und Öl stromabwärts drückt.

Modulations- und Sicherheitsventile

Lastabhängige oder automatische lastabhängige Bremsventile (ALB) reduzieren die Zufuhr zur Achse bei unbeladenem Fahrzeug und verringern so das Blockieren der Räder im Leerzustand. Ältere Zugmaschinen nutzten dafür ein Vorderachs-Begrenzungsventil. Ein Inversions- oder Notbremsventil wandelt fallenden Vorratsdruck in eine Federspeicherbremsung um, weshalb sich die Feststellbremsen selbsttätig anlegen, wenn der Druck auf 20–45 psi fällt. Davor löst die Warnleuchte und der Summer für niedrigen Luftdruck bei etwa 60 psi aus, um dem Fahrer Zeit zum Anhalten zu geben.

Diagnose nach Symptom

  • Langsames Lösen, Bremsen schleifen: Relaisventil oder Schnelllöseventil, oder eine eingeschränkte Steuerleitung.
  • Ständiges Zischen an einer Ventilentlüftung: defekter interner Sitz, am häufigsten am Fuß- oder Relaisventil.
  • Luftverlust über Nacht am gesamten Fahrzeug: Rückschlag- oder Mehrkreisschutzventil dichtet nicht ab.
  • Anhänger lädt nicht auf: Anhängerschutzventil, roter Armaturenbrettknopf oder Kupplungskopfdichtungen.
  • Kompressor ruht nie: Regler oder Entlastungsventil, nicht der Kompressor selbst.

Überholen oder ersetzen

Einfache Ventile mit Reparatursatz und sauberer Bohrung lohnt es sich zu überholen. Alles mit riefiger Bohrung, korrodiertem Gehäuse oder unbekannter Servicehistorie wird besser komplett ersetzt, da ein intern leckendes Ventil eine Sichtprüfung besteht und das System trotzdem entleert. Ist ein Relaisventil die Ursache, gleiche Bohrungsgröße, Ansprechdruck und Anschlussanordnung mit dem Original ab; OE-taugliche Ersatz-Relaisventile sind nach den Original-Nummern von Bendix, Wabco/ZF, Knorr-Bremse oder Haldex querreferenziert, sodass die Ansprechzeiten über die Achse hinweg gleich bleiben. Nicht übereinstimmende Ansprechdrücke an gepaarten Achsen sind eine häufige Ursache für Bremsverzögerung und ungleichen Belagverschleiß.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Ventile hat ein LKW-Druckluftbremssystem?
Ein typischer Sattelzug hat zwischen fünfzehn und dreißig Druckluftventile, zählt man Steuer-, Relais-, Schnelllöse-, Rückschlag-, Schutz- und Feststellventile zusammen. Die genaue Anzahl hängt von Achskonfiguration, Federungstyp und davon ab, ob das Fahrzeug ABS oder EBS-Modulatoren hat.
Was ist der Unterschied zwischen einem Relaisventil und einem Schnelllöseventil?
Ein Relaisventil nutzt ein ferngeführtes Pilotsignal, um sowohl aus einer nahegelegenen Tankversorgung zu bremsen als auch zu lösen, und hat daher einen Versorgungsanschluss. Ein Schnelllöseventil hat keinen Versorgungsanschluss; es beschleunigt nur das Lösen, indem es Kammerluft lokal entlüftet.
Bei welchem Druck hören Druckluftbremsventile auf, das Fahrzeug zu schützen?
Die Warnung für niedrigen Luftdruck löst bei etwa 60 psi aus, und die Federspeicherbremsen greifen selbsttätig, wenn der Druck auf 20–45 psi fällt. Unterhalb dieses Bereichs gibt es keine kontrollierte Betriebsbremsung mehr, nur noch die mechanische Federkraft.
Welches Druckluftbremsventil fällt am häufigsten aus?
Relaisventile und das Fußbremsventil erleben die meisten Zyklen und sind die häufigsten Ursachen für langsames Lösen und Lecks an der Entlüftungsöffnung. Rückschlagventile folgen dicht dahinter, weil Verunreinigung und Feuchtigkeit sie am Abdichten hindern.
Kann ich Druckluftbremsventile ohne Spezialwerkzeug testen?
Die meisten Ventile lassen sich mit Seifenwasser, einem Satz Prüfmanometer und einem Helfer am Pedal isoliert prüfen. Bremse anlegen und halten, dann jede Entlüftungsöffnung abhören und besprühen; ein Ventil, das nur beim Bremsen leckt, hat einen defekten internen Sitz.
Müssen Druckluftbremsventile als Satz ersetzt werden?
Nein, aber gepaarte Relaisventile derselben Achsgruppe sollten in Bohrungsgröße und Ansprechdruck übereinstimmen. Unterschiedliche Spezifikationen an einer Achse zu mischen verursacht ungleiche Zeitabläufe, Bremsverzögerung und einseitigen Belagverschleiß.