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Mehrkreisschutzventil: Wie es die Luftbremskreise eines Lkw trennt und schützt

Das Mehrkreisschutzventil teilt die Druckluftversorgung eines Kompressors in mehrere unabhängige, einzeln geschützte Kreise auf, damit eine Undichtigkeit in einem System nicht die übrigen Kreise des Lkw entleert.

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Mehrkreisschutzventil: Wie es die Luftbremskreise eines Lkw trennt und schützt

Ein Mehrkreisschutzventil (häufig ein Vierkreisschutzventil, MCPV) nimmt die einzelne getrocknete Luftversorgung aus dem Lufttrockner und teilt sie in mehrere unabhängige Brems- und Nebenverbraucherkreise auf, jeweils mit eigenem Schutzelement. Seine Aufgabe ist die Sicherheit: Fällt eine Leitung, ein Behälter oder eine Verschraubung in einem Kreis aus, schließt das entsprechende Element und hält die übrigen Kreise unter Druck, sodass das Fahrzeug weiterhin bremsfähig bleibt. Zudem erzwingt es eine Füllreihenfolge und lädt die Betriebsbremskreise vor den Feststell-, Anhänger- und Nebenverbraucherkreisen.

Das Ventil ist Standard bei Lkw, Bussen und Reisebussen europäischer Bauart (MAN, Mercedes-Benz, Volvo, Scania, DAF, Iveco, Renault) sowie bei vielen Anhängern und Sonderfahrgestellen. Nordamerikanische Sattelzugmaschinen erreichen dasselbe Ergebnis mit einem Vorratsbehälter, Rückschlagventilen und einzelnen Druckschutzventilen, das Prinzip ist jedoch identisch: Es handelt sich um eine rein pneumatische Sicherung, ohne hydraulischen Kreis irgendwo im System.

Was das Mehrkreisschutzventil tatsächlich leistet

In einem einzigen Gussgehäuse befinden sich drei, vier oder fünf unabhängige Ventilelemente, jeweils eine Membran oder ein Kolben mit kalibrierter Feder. Die Luft strömt am gemeinsamen Versorgungsanschluss ein und muss jede Feder überwinden, bevor sie in den jeweiligen Kreis gelangt. Aus dieser Anordnung ergeben sich drei Funktionen:

  • Aufteilung. Eine Versorgung wird zu mehreren Kreisen, jeder mit eigenem Behälter.
  • Isolierung. Fällt der Druck in einem Kreis unter den Schließdruck des jeweiligen Elements, schließt dieses und verhindert, dass die intakten Kreise in den ausgefallenen entleeren. Genau das macht ein Zweikreis-Luftbremssystem wirklich redundant und nicht nur doppelt vorhanden.
  • Priorisierung. Die Betriebsbremselemente haben die höchsten Schließdrücke, sodass beim Aufladen und bei einem Teilausfall die Bremsen zuerst Luft erhalten.

Position im Luftsystem

Folgen Sie dem Luftweg: Kompressor zum Lufttrockner, Trocknerausgang zum Versorgungsanschluss des Mehrkreisschutzventils, dann vom Ventil zu den einzelnen Behältern. Bei vielen modernen Fahrgestellen ist das Ventil direkt an den Trockner angeflanscht, als Teil einer Luftaufbereitungseinheit. Der Regler steuert weiterhin Ein- und Ausschaltdruck des Kompressors vorgelagert, und der Trockner regeneriert weiterhin unabhängig.

Diese Reihenfolge ist bei der Diagnose wichtig, da alles, was das Schutzventil liefert, bereits den Trockner durchlaufen hat. Öl oder Wasser an den Ventilausgängen deutet auf ein Trockner- oder Kompressorproblem hin, nicht auf das Ventil.

Anschlussbelegung und Kreispriorität

Die meisten europäischen Ventile folgen der ins Gehäuse eingegossenen ISO/DIN-Anschlussnummerierung. Die tatsächliche Zuordnung variiert je nach Fahrgestell, daher vor dem Verschließen oder Tauschen einer Leitung mit dem Fahrzeug-Leitungsschema abgleichen.

AnschlussKreisVersorgt typischerweiseFüllpriorität
1VersorgungZulauf vom Lufttrockner/Kompressor
21Betriebsbremskreis 1Betriebsbremsbehälter HinterachseZuerst
22Betriebsbremskreis 2Betriebsbremsbehälter VorderachseZuerst
23Feststell-/AnhängerkreisFederspeicher und Anhänger-VorratsbehälterZweitens
24NebenverbraucherkreisLuftfederung, Nebenabtrieb, Fahrerhauskippung, Türen, Signalhorn, SitzZuletzt
25Zweiter Nebenverbraucher (falls vorhanden)Aufbauhersteller/ZusatzverbraucherZuletzt

Da die Anschlüsse 23 und 24 zuletzt öffnen, ist es normal, dass die Feststellbremse länger zum Lösen braucht als der Anstieg der Betriebsbremsmanometer, und dass die Luftfederung ganz zuletzt hochkommt. Bei einem intakten System ist die gesamte Sequenz innerhalb weniger Minuten im Leerlauf aus leerem Zustand abgeschlossen.

Öffnungs-, Schließ- und statischer Druck

Jedes Element wird durch zwei Werte definiert. Der Öffnungsdruck ist der Punkt, an dem das Element beim Aufladen erstmals Luft in seinen Kreis lässt. Der Schließdruck (manchmal unterteilt in statischen und dynamischen Schließdruck) ist der Punkt, an dem das Element schließt, um die übrigen Kreise bei einem Ausfall zu schützen. Betriebsbremskreise sind immer mit den höchsten Schließdrücken eingestellt, Nebenverbraucherkreise mit den niedrigsten, sodass die Nebenverbraucher zuerst geopfert werden.

Diese Werte nicht schätzen. Sie sind modellspezifisch, in den OE-Servicedaten veröffentlicht und bei vielen Ventilen am Gehäuse eingeprägt oder beschriftet. Mit den Einheiten arbeiten, für die das Fahrgestell ausgelegt ist. Ein nordamerikanisches Luftbremssystem ist bei voller Ladung typischerweise bei etwa 120 psi, mit Reglereinschaltung nahe 100–110 psi, Abschaltung im Bereich 120–135 psi und aktiver Niederdruckwarnung bei etwa 60 psi. Europäische Nutzfahrzeuge mit Mehrkreisschutzventilen sind in bar kalibriert und laufen im Allgemeinen mit höherem Behälterdruck, grob im Bereich 8–12,5 bar (etwa 115–180 psi), je nach Fahrgestell und Kreis. Ein in bar ausgelegtes Ventil anhand von psi-Werten aus einem anderen Markt zu beurteilen, ist ein häufiger Grund, einem nicht vorhandenen Fehler hinterherzujagen. In jedem Fall sind die aktuellen Servicedaten des Fahrzeugherstellers maßgeblich.

Symptome eines defekten Mehrkreisschutzventils

SymptomÜbliche Ursache
Ein Behälter erreicht nie vollen Druck, die anderen schonDieses Element klemmt teilweise geschlossen, oder sein Sitz ist verunreinigt
Feststellbremse löst nicht oder sehr spätElement an Anschluss 23 öffnet nicht; zuerst Versorgungsdruck prüfen
Luftfederung träge oder ohne Funktion, Bremsen normalElement an Anschluss 24 klemmt — oft der erste Kreis mit Verschleißanzeichen
Hörbare Undichtigkeit am Ventilgehäuse, Kompressor schaltet ständigDefekte Membran oder O-Ring; siehe Druckverlust im Luftbremssystem
Ein Kreis entleert sich über Nacht, die anderen haltenInterne Querleckage oder eine Rückschlagfunktion, die nicht mehr abdichtet
Alle Kreise bauen langsam auf trotz nachweislich intaktem KompressorVerengter Versorgungsanschluss, oder ein Trockner, der Schmutz ins Ventil leitet

Mehrkreisschutzventil prüfen

  1. Räder unterlegen und den Druck in jedem Behälter vor Beginn notieren. Soweit das Verfahren es zulässt, bei abgestelltem Motor arbeiten.
  2. Alle Behälter entleeren, dann das System aufladen und jedes Kreismanometer beobachten. Prüfen, dass die Betriebsbremskreise zuerst steigen, dann Feststellbremse, dann Nebenverbraucher zuletzt. Ein Kreis, der deutlich außer der Reihe zurückbleibt, ist verdächtig.
  3. Auf vollen Systemdruck aufladen und Motor abstellen. Ventilgehäuse, jeden Anschluss und jede Verschraubung einschäumen. Anhaltende Blasenbildung direkt am Gehäuse ist ein interner Defekt, keine Anschlussundichtigkeit.
  4. Isolationstest durchführen: Bei voll aufgeladenem System nur bei einem Kreis den Ablass öffnen und die übrigen Manometer beobachten. Die intakten Kreise sollten sich stabilisieren und halten, sobald der ausgefallene Kreis unter seinen Schließdruck fällt. Fallen sie mit ihm weiter, schützt das Ventil nicht.
  5. Für jeden Kreis nacheinander wiederholen, dann neu aufladen und prüfen, ob Niederdruckwarnung und Feststellbremse normal reagieren.
  6. Für die Werkbankprüfung geregelte Werkstattluft am Versorgungsanschluss anlegen, an jedem Ausgang ein Manometer anschließen und die gemessenen Öffnungs- und Schließdrücke mit der OE-Spezifikation für diese Teilenummer vergleichen.
Niemals einen Anschluss des Schutzventils verschließen oder zustopfen, um einen undichten Kreis zu "reparieren". Das entfernt eine konstruktiv vorgesehene Redundanz und führt bei der Prüfung zur Stilllegung des Fahrzeugs.

Reparieren oder ersetzen

Die meisten modernen Mehrkreisschutzventile sind versiegelte, kalibrierte Baugruppen. Einige Bauarten akzeptieren einen Dichtungs- und Membransatz, doch jede Einheit mit korrodierter Bohrung, verkratztem Kolben oder einem Sitz, der nach der Reinigung nicht mehr abdichtet, sollte ersetzt statt instandgesetzt werden — ein Ventil, das korrekt öffnet, aber verspätet schließt, ist gefährlicher als eines, das komplett ausfällt. Nach OE-Nummer sowie nach Kreisanzahl und Anschlussanordnung zuordnen, da drei-, vier- und fünfkreisige Gehäuse bei manchen Fahrgestellen dieselbe Aufnahme teilen. Ersatzventile sind im VADEN-Katalog Mehrkreisschutzventile nach Vergleichsnummer gelistet.

Beim Einbau eines neuen Ventils zunächst die Versorgungsleitung durchblasen. Verunreinigung durch eine defekte Lufttrocknerpatrone oder einen ölführenden Kompressor ist der häufigste Grund für einen frühzeitigen Ausfall des Ersatzventils, daher die vorgelagerte Ursache beheben, bevor die Haube geschlossen wird. Neu aufladen, den Isolationstest an jedem Kreis durchführen und sicherstellen, dass Feststell- und Anhänger-Versorgungskreise sauber lösen, bevor das Fahrzeug wieder in Betrieb geht.

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Veröffentlicht von VADEN Original. Produktlinks verweisen auf den offiziellen Katalog des Herstellers. Die Angaben sind allgemein - überprüfen Sie Werte stets anhand des Servicehandbuchs Ihres Fahrzeugs.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Mehrkreis- und einem Vierkreisschutzventil?
Es handelt sich um dieselbe Bauteilfamilie; "Vierkreis" gibt lediglich an, wie viele geschützte Ausgänge das Gehäuse hat. Mehrkreis ist der Oberbegriff und umfasst Drei-, Vier- und Fünfkreisausführungen.
Kann man mit einem defekten Mehrkreisschutzventil fahren?
Nein. Ein Ventil, das nicht schließt, hat die Redundanz verloren, die einen Kreis am Leben hält, wenn ein anderer ausfällt, und ein Ventil, das nicht öffnet, lässt einen Brems- oder Feststellkreis unversorgt.
Warum löst meine Feststellbremse nach dem Starten so lange nicht?
Der Feststell- und Anhängerkreis wird bewusst nach beiden Betriebsbremskreisen befüllt, daher ist bei einem leeren System eine gewisse Verzögerung normal. Übermäßige Verzögerung bei bereits vollen Betriebsbremsmanometern deutet auf das Schutzelement dieses Kreises hin.
Wo befindet sich das Mehrkreisschutzventil?
Direkt hinter dem Lufttrockner und vor den Behältern, oft an den Trockner angeflanscht als Teil einer Luftaufbereitungseinheit. Andernfalls ist es am Rahmenlängsträger montiert, mit einer Zulaufleitung und mehreren Ablaufleitungen zu den Behältern.
Hat eine nordamerikanische Sattelzugmaschine ein Mehrkreisschutzventil?
Meist nicht als einzelne Baugruppe. Derselbe Schutz wird mit einem Vorratsbehälter (Nassbehälter), Rückschlagventilen und separaten Druckschutzventilen für Nebenverbraucherkreise erreicht.
Kann ein defektes Schutzventil langsamen Druckaufbau verursachen?
Ja. Ein verengtes oder teilweise klemmendes Element begrenzt den Luftstrom in seinen Kreis, und ein undichtes Element lässt Luft entweichen, die der Kompressor ständig nachliefern muss, wodurch das System langsam aufbaut und häufiger schaltet.